Chained Oak – Die mystische Geschichte hinter Alton Towers

Kaum ein Themenpark hat einen so spannenden und vor allem weitreichenden geschichtlichen Hintergrund wie Alton Towers. Erbaut auf einem ehemaligen Landsitz der Earls of Shrewsbury, eingeschränkt durch Vorschriften des Denkmal- und Landschaftsschutzes, ist vom weitläufigen Garten bis zu den imposanten Ruinen der „Towers“ die faszinierende Vergangenheit förmlich zu spüren. Ein Gespür dafür muss auch John Wardley haben. Denn er, Alton Towers Berater und Designer für neue Attraktionen, war es, der auf das Jahr 2000 mit „Hex – The Legend of the Towers“ einen kleinen Teil der fast vergessenen Legenden zurück in den Park brachte. Hex ist ein Madhouse von Vekoma, wie es insgesamt 16 weltweit gibt, doch trotzdem ist Hex nicht eine Hexenschaukel wie jedes andere Madhouse auch. Im Gegensatz zu den übrigen Exemplaren wurde in Alton Towers nicht auf eine lieblos zusammengestrickte Geschichte um den Hauptraum der Showattraktion gesetzt, sondern ein absolut authentisches Erlebnis entwickelt, bei dem die Schaukelfahrt an sich eher ein Nebeneffekt ist.

IMG 7007 Chained Oak   Die mystische Geschichte hinter Alton Towers

In den alten Gemäuern ist die Fahrattraktion versteckt

Eingebaut in die ehemalige Waffenkammer, welche davor auch schon einen Souvenirshop beheimatete, und das Octagon der Towers ziehen sich die Warteschlange sowie zwei Preshowräume. Darin wird dem Besucher in einer fiktiven wissenschaftlichen Fundstätte die Geschichte der „Chained Oak“, der angeketteten Eiche, erzählt. Der letzte Raum, die eigentliche Attraktion, befindet sich dann in einer Wellblechhalle neben dem historischen Gebäude, was aber dank geschickter Thematisierung kaum einem Besucher auffällt. Doch wieso wirkt diese Geschichte, nachzulesen am Ende dieses Artikels, realer als die Pendants in anderen Freizeitparks? Neben der beeindruckenden Kulisse und dem eingehenden Soundtrack hat dies einen ganz einfachen Grund: Sie ist echt, jedenfalls teilweise.

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Hex – Eine packende und in dieser Art einzigartige Attraktion

Den Earl of Shrewsbury gab, respektive gibt es nach wie vor. Charles Henry Chetwynd-Talbot, der heutige Earl, ist der Nachfahre von Charles Talbot, welcher von 1753 bis 1827 lebte und vermutlich der besagte Adlige der Geschichte ist. Ohne jetzt weiter in die englischen Adelsverhältnisse abzutauchen, das Thema wäre unerschöpflich, sollte man sich den Namen Talbot merken, denn diese Familie legte den Grundstein für den heutigen Freizeitpark und wurden jahrelang mit dem Themenbereich „Talbot Street“, der heutigen „Cred Street“ gewürdigt. Der überraschendste Fakt der Legende dürfte das Existieren der besagten Eiche unweit vom Haupteingang am alten Transportweg zum Anwesen sein. Die etwa 175 Jahre alte Eiche ist mit rostigen, schweren Ketten gesichert, welche das Abstürzen von Ästen verhindern soll. Doch ob wirklich der Earl diese Ketten aus den besagten Gründen anbringen ließ, darf bezweifelt werden.

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Das Mad House befindet sich in einer extra gebauten Halle im Innenhof der Towers

Aber wie kamen die Ketten an den Baum? Auch wenn man es dem Park zutrauen würde, auszuschließen ist eine raffinierte Marketingkampagne von Alton Towers, denn Hinweise auf die Ketten am Baum sind schon in weit älteren Dokumenten zu finden. Zudem sind die Ketten offensichtlich ein paar Jahrzehnte älter als die Attraktion. Auch ein Lausbubenstreich kann aufgrund des enormen Gewichtes der Ketten eher ausgeschlossen werden. Plausibel klingt eher die Theorie einiger Historiker, welche tatsächlich die Earls dieser Zeit dafür verantwortlich machen. Da eine so alte Eiche ein wertvolles Gut darstellte, aber diese auch unter ihrem wachsendem Gewicht irgendwann zusammenbrachen, könnte der Baum mit der Verkettung tatsächlich vor dem Kollaps bewahrt werden. Ein eher ungewöhnlicher, aber möglicher Weg, den Baum zu erhalten.

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Sie bringen eine einzigartige Atmosphäre in den Park

Was wirklich geschah, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kann jedoch gesagt werden, dass der Fluch nicht mehr existiert. Im April 2007 fiel trotz Ketten erstmals wieder ein Ast von der Eiche, doch keiner der Familie starb. Ob nun ein Earl im Labor, welches natürlich nur dazu gedichtet wurde, um die Fahrattraktion thematisch einzubinden, den Fluch brechen konnte, der Fluch zeitlich begrenzt war oder das ganze doch nur ein Märchen ist, kann uns im Endeffekt egal sein. Hauptsache es entstand daraus eine außergewöhnliche Attraktion und ein weiteres Denkmal des Attraktionen-Meisters John Wardley.

Die Geschichte:
In einer kalten Herbstnacht des Jahres 1821 reiste der 15. Earl of Shrewsbury während einem Gewitter zurück in sein Heim, Alton Towers. Seine Kutsche stoppte abrupt, als eine alte Frau auf der Straße stand und den Earl um eine Spende bat. Dieser verwehrte ihr den Wunsch und ließ die Fahrt fortsetzen, worauf die Frau ihren Fluch aussprach: Für jeden Ast, der von der alten Eiche fällt, wird ein Mitglied der Familie des Earls sterben. In jener Nacht brach durch einen Blitzeinschlag ein Ast der Eiche ab und ein Mitglied der Adelsfamilie starb plötzlich unter mysteriösen Umständen. Aus diesem Grund liess der Earl die Äste zusammenketten, um ein weiteres herabfallen zu verhindern. Den herabgefallenen Ast nahm er in sein Labor, um ihn zu untersuchen, doch er fand bis heute keinen Weg um den Bann zu brechen.

Pictures: Copyrifght Airtimers.com

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