Das vergessene Königreich – Ein Plädoyer für dänische Freizeitparks

Wenn man sich mit Achterbahn- und Freizeitparkfans unterhält, welche Länder man unbedingt besucht haben muss, um die schönsten und besten Freizeitparks zu sehen, bekommt man mit leuchtenden Augen von den USA erzählt. Das ist auch gerechtfertigt, denn die Staaten bieten wohl immer noch das Beste an Freizeitparks, was man sich wünschen kann. In Europa gehen die Meinungen der Experten da schon etwas weiter auseinander, die einen meinen England ist das Land mit den besten Parks, andere favorisieren, nicht zuletzt wegen der Disneyparks Frankreich. Spanien und die Niederlande werden in diesem Zusammenhang auch gerne genannt. Ein Land wird aber so gut wie nie in diesen Aufzählungen erwähnt, und das unseres Erachtens völlig zu unrecht. Es handelt sich um Deutschlands nördlichen Nachbarn Dänemark. Einige werden nun erstaunt denken: „Dänemark?“ Warum gerade dieses kleine Königreich im Norden, das doch außer Landschaft, Stränden und eventuell noch Kopenhagen nichts zu bieten hat? Weit gefehlt, denn gerade hier werden die in unseren Augen individuellsten, kreativsten, und geschichtsträchtigsten Freizeit- und Themenparks Europas betrieben. Neben vielen kleineren Freizeiteinrichtungen wie zum Beispiel Danfoss Universe, Fun Park Fyn, Joboland, Tivoli Friheden und dem Farup Sommerland, bietet das kleine Land mit nur etwa 6 Millionen Einwohnern aber auch 5 echte Perlen im Freizeitparksektor, die alle so individuell und einzigartig sind, dass sie Dänemark eigentlich zu einem Pflichttermin eines jeden Fans machen. Diese 5 Parks möchten wir euch hier nun in kurzen Vorstellungen etwas näher bringen. Eigentlich müsste man auch das Farup Sommerland genauer betrachten, da es mit den Achterbahnen Falken, Orkanen, Fledermaus und Blitz doch schon so Einiges an Fahrspaß bietet, wir sind aber der Ansicht, dass dieser durchaus sympathische Park, nahe der Ortschaft Saltum, noch nicht ganz an die Klasse und Einzigartigkeit der anderen Parks heranreicht.

falke Das vergessene Königreich   Ein Plädoyer für dänische Freizeitparks

Holz in seiner schönsten Form, der Falke im Farup Sommerland

Beginnen wollen wir mit dem wohl verrücktesten und schrägsten Freizeitpark in Europa, dem BonBon Land. Zwei Dinge beherrschen den in Holme-Olstrup gelegenen Park. Zum Einen die namensgebenden Bonbons und zum Anderen, ein zugegeben völlig schräger Humor. Schon die Namen einiger Attraktionen, lassen den geneigten Besucher erahnen, was ihn hier so alles erwarten könnte. So gibt es zum Beispiel die Wildwasserfahrt Kanalratte, die Kinderachterbahn Hundefurz-Achterbahn oder die Schiffschaukel Streichel Kabeljau zu bewundern. Und wie man sich eventuell schon denken kann, bleibt es bei den Anlagen nicht nur bei den ungewöhnlichen Namen, sondern auch die Thematisierungen der Bahnen wurden sehr detailreich und liebevoll angepasst. Kleines Beispiel? Der überlebensgroß dargestellte Hund Henry, hat mit einem leicht verkniffenen Gesichtsausdruck natürlich einen gut erkennbaren, riesigen Haufen im Infield des Kiddy- Coasters hinterlassen und auch die passenden Soundeffekte sind zu vernehmen. Für Freunde der etwas thrilligeren Unterhaltung, hat der Park auch so einiges zu bieten, genannt seinen hier der Prototyp des Gerstlauer Eurofighters mit Namen Wildschwein, der ebenfalls von Gerstlauer gebaute Spinning Coaster Kater, oder der kleine, aber sehr knackige Freefall Cobra Turm. Eine Rafting Anlage und viele weitere Fahrgeschäfte für die gesamte Familie, runden das Angebot des Parks gekonnt ab und bieten jedem Gast Fahrvergnügen für einen ganzen Tag. Wer also nicht zum Lachen in den Keller geht und sich auch mal über ein pinkes Nilpferd mit voller Windel als Maskottchen erheitern kann, ist hier genau an der richtigen Adresse.

henry Das vergessene Königreich   Ein Plädoyer für dänische Freizeitparks

Parkmasskotchen Henry wie er leibt und lebt!

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Schienengewimmel aus dem Hause Gerstlauer

Als Nächstes begeben wir uns auf unserer kleinen Reise quer durch Dänemark in den dänischen Landesteil Jydland, genauer gesagt in die Ortschaft Billund. Hier, nur wenige Hundert Meter vom Hauptsitz des Spielzeug-Herstellers Lego entfernt, steht das Ur-Legoland. Sicher gibt es mittlerweile auf dem halben Erdball Legoland-Ableger, aber hier in Dänemark hat alles begonnen und genau das macht die Faszination des Legoland Resort Billund aus. An jeder Ecke des schön angelegten Parks, kann man fast so etwas wie Lego Geschichte atmen, und hat oftmals das Gefühl, genau jetzt, vor dem Ersten, dem Original einer Anlage zu stehen, auch wenn das nicht immer so ganz der Wahrheit entsprechen mag. Das Legoland Resort ist in erster Linie auf Familien mit Kindern ausgelegt und bietet dem entsprechend viele Fahrgeschäfte für die kleinen Gäste. Man findet unter anderem eine Kinderfahrschule, in der nach der Fahrt ein fast echter Führerschein ausgestellt wird, oder einen Feuerwehreinsatz, komplett mit Anfahrt und Löscharbeiten. Aber auch für den etwas älteren Teil der Familie, ist mit dem wunderschön gestalteten Drachen oder dem interaktiven Darkride Tempel einiges geboten. Selbst Freunde der etwas flotteren Unterhaltung bekommen im Legoland die Attraktionen, die sie sich wünschen, so warten mit dem Freefallcoaster Polar X Plorer, der Maus X-Treme Racer und dem mit einem Fahrstuhl und einer recht hohen und sehr nassen Schlussdrop ausgestatteten Stromschnellenfahrt, gleich drei Fahrgeschäfte auf abenteuerlustige Gäste. Der Herzstück des Legolandes ist und bleibt jedoch das Miniland in dem Gebäude, Straßenzüge und ganze Landschaften aus Millionen von Legosteinen nachgebildet wurden. Auch zum Thema Star Wars gibt es einige sehr gelungene Modelle. Die ungewöhnlichen Thematisierungen und das Miniland, aber auch das Angebot an Fahrgeschäften machen das Legoland in Billund unserer Meinung nach zu einem Pflichttermin im Kalender aller Freizeitpark Freunde.

legoland 2 Das vergessene Königreich   Ein Plädoyer für dänische Freizeitparks

Der Eingang ins Reich der Klötzchen

Legoland 1 Das vergessene Königreich   Ein Plädoyer für dänische Freizeitparks

Das Miniland wurde aus Millionen von Legosteinen errichtet

Da wir uns ja nun schon mal im Landesteil Jydland befinden, bleiben wir doch gleich dort, und begeben uns von Billund aus nur circa 100 Kilometer in nördliche Richtung und besuchen das Djurs Sommerland. Djurs kann man wohl ohne zu übertreiben, als „den Angreifer“ in der dänischen Freizeitpark Landschaft bezeichnen. Was hier speziell in den letzten Jahren erschaffen wurde, ist schon aller Ehren wert. 2008 erregte das Sommerland das erste Mal bei einer breiten Masse an Achterbahnfreunden Aufsehen, als man, fast wie aus dem Nichts, den Intamin Mega Light Coaster Piraten ankündigte und später eröffnete. Danach ging es Schlag auf Schlag: Es folgte der Mack Watercoaster Skatteoen und in diesem Jahr wurde mit dem, mit einem zweifachen Reibradantrieb ausgestatteten, Juvelen, Dänemarks längste Achterbahn den Gästen übergeben. Diese drei Anlagen zeigen deutlichst das enorme Potenzial des Parks, denn sie wurden nicht einfach nackt auf die Wiese geklatscht, wie man so schön sagt, sondern sind alle mit einem Theming versehen, mit dem sich der Park keineswegs hinter größeren internationalen Parks verstecken muss. Ein weiterer ganz großer Pluspunkt für den Park in Nintofte, ist natürlich der Umstand, dass es sich bei Djurs um ein Sommerland im herkömmlichen Sinne handelt, was bedeutet dass sich eine Badeanstalt im Park befindet. Hier braucht es sich mit seinen vielen Rutschen, einem Wellenbecken und einem recht großen Schwimmbecken, ganz sicher nicht hinter einigen normalen Freibädern zu verstecken. Die Familienfreundlichkeit wird von den Betreibern ganz groß geschrieben und endet keines Falles mit dem Aufstellen von Kinderattraktionen, die es natürlich auch gibt, sondern zieht sich durch das gesamte Konzept des Parks. Es gibt unzählige kleinere und größere Spielplätze, riesige Picknickbereiche und ganz viele Rasenflächen, auf denen das Spielen ausdrücklich erlaubt ist. Djurs Sommerland ist in unseren Augen einfach mit dem Wort sympathisch zu beschreiben.

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Fahrspaß mit dem Piraten

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Juvelen ist das neue Juvel des Sommerlandes

Als letzten Anlaufpunkt auf unserer Reise durch Dänemark, haben wir uns Kopenhagen ausgesucht, denn hier in der Hauptstadt der Dänen liegen zwei Parks, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Beginnen wollen wir mit dem älteren der beiden Parks. Bakken im Kopenhagener Vorort Klampenborg gilt als der älteste Freizeitpark der Welt, und zieht mit seinem eher rustikalen Charme bis zu 3 Millionen Besucher an. Bakken versteht sich mehr als Stätte der Begegnung und Naherholungsgebiet als reiner Freizeitpark, was man auch schon an dem Umstand gut erkennen kann, dass für den reinen Eintritt auf das Gelände, keine Gebühr erhoben wird. Wer zum Beispiel mit der 1932 errichteten Holzachterbahn oder dem, als verrückt zu betitelten, Spinning Coaster Tornado fahren möchte, der kauft sich entweder an der Attraktion ein Ticket, oder hat die Möglichkeit sich ein Handgelenks-Armband zu kaufen, mit dem man in allen angebotenen Fahrattraktionen einsteigen darf. Das Multiride Ticket ist übrigens die deutlich günstigere Variante, besonders weil lange Warteschlangen in Bakken ein Fremdwort sind. Der Park bietet, wie oben schon angedeutet, so etwas wie rustikalen Charme, den man am besten mit dem Wort Dauerkirmes beschreiben könnte, wenn da nicht noch die Komponente des Erholungs- und Begegnungsgebietes wäre. Wir denken, Bakken kann man eigentlich nicht richtig beschreiben, Bakken muss man erleben und in unserem Falle erfahren!

bakken Das vergessene Königreich   Ein Plädoyer für dänische Freizeitparks

Bunt und schön, wie Bakken nun mal ist.

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Ein Tornado fegt über das Land

Wer hat nicht mindestens schon einmal in seinem Leben den Begriff Tivoli Gardens gehört, und sich gefragt, ob dieser nur circa 8 Hektar große Stadtpark, diese Aufmerksamkeit überhaupt verdient hat? Die klare Antwort schon einmal vorweg: Ja er hat! Während in Bakken das Wort “rustikal” das Wort der Wahl ist, muss es hier im Tivoli wohl “festlich” sein, denn der Park bietet gleich beim Betreten eine Charme und ein Ambiente, welches mit Worten nur schwer zu beschreiben ist. Das Tivoli feiert in diesem Jahr seinen 170 Geburtstag und genau das kann der geneigte Besucher auch spüren, denn praktisch jeder Schritt in den Anlagen ist eine Reise in die Kultur, die Kunst und die Geschichte des Tivoli. Aber auch die Moderne hat mit einigen Gebäuden und Fahrgeschäften Einzug in den Park gehalten, und so bietet sich ein wunderbarer Mix, der Kopenhagens zweites Wahrzeichen zu etwas ganz besonderen macht. Wo sonst findet man eine hundert Jahre alte Holzachterbahn mit Bremser, fast neben einer kompakten floorless Anlage aus dem Hause Bollinger und Mabillard? Hier im Tivoli Gardens ist das mit Rutschebanen und Demonen vorzüglich gelungen. Auch viele der anderen im Tivoli gebotenen Bahnen und Attraktionen haben etwas Besonderes und Einzigartiges, wie z.b. der Wasserdarkride Minen oder der fliegende Koffer, bei dem man eine Fahrt zu den Märchen von Hans Christian Andersen erleben kann, und der sich komplett unterirdisch befindet. Mit Vertigo bietet der Park ein Fahrgeschäft, welches sich das Prädikat „Kotzschleuder“ wohl mehr als verdient hätte, aber auch hier hat der Hang zum ungewöhnlichen die Verantwortlichen wieder inspiriert. Das Tivoli ist einfach eine Institution in Dänemark, zwar sollte man beachten, dass es sich hier nicht um einen klassischen Freizeitpark handelt, sondern das Hauptaugenmerk eher auf Freizeitgestaltung, Erholung und Kultur liegt, aber auch die reichlich vorhandenen Attraktionen können voll und ganz überzeugen.

demonen Das vergessene Königreich   Ein Plädoyer für dänische Freizeitparks

Demonen ist auch im tiefsten Winter eine Augenweide

tivoli Das vergessene Königreich   Ein Plädoyer für dänische Freizeitparks

Der Eingang in das alt ehrwürdige Tivoli

Wir hoffen, dass wir euch das Königreich Dänemark, als das Land der ungewöhnlichen Freizeit und Themenparks, etwas näher bringen konnten, und würden uns freuen, wenn ihr uns an euren eigenen Erfahrungen in den Parks unseres nördlichen Nachbarn teilhaben lasst.

Pictures: Copyright Farup Sommerland, Bakken, Airtimers.com

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