Disneys Antwort auf die Wizarding World of Harry Potter: Star Wars

Eigentlich wollte Disney es nach der großen New Fantasyland Erweiterung erst einmal ruhig angehen lassen. Vermutlich wollte man sich ganz auf den Neubau des Disneyland Resort Shanghai konzentrieren. Doch die Rechnung hatte Disney ohne Universal gemacht. Am 18. Juni 2010 eröffnete das Unternehmen in den Island’s of Adventure nämlich die Wizarding World of Harry Potter. Der Nachbau des weltbekannten Hogwarts-Schlosses und des kleinen Zauberdorfes Hogsmead machte innerhalb eines Jahres die Island’s of Adventure zum schnellst wachsenden Freizeitpark der Welt. Insgesamt konnte der Park im ersten Jahr einen Zuwachs von 30,9% an Besuchern erzielen. Disney realisierte schnell, dass sie auf die Situation reagieren mussten. Zufälliger Weise steckte man zu dieser Zeit in Verhandlungen mit James Camerons Lightstorm Entertainment und Fox Filmed Entertainment. Dabei ging es um einen exklusiven Vertrag für die Nutzung der Avatar-Rechte. Im September 2011 wurde das Abkommen im Disney Parks Blog bekannt gegeben. Zudem wurde der Bau eines Avatar-Themenbereichs in Disney’s Animal Kingdom angekündigt. Überraschender Weise gab es keine weiteren Informationen oder gar Artworks zu dem geplanten Themenbereich. Aufgrund der Wizarding World of Harry Potter stand Disney bei den Parkbessuchern unter Zugzwang. Ganze zwei Jahre später wurden die ersten Artworks veröffentlicht, sowie der Start der Bauarbeiten im Jahre 2014 angekündigt. Die voraussichtliche Eröffnung soll laut aktuellem Stand 2017 sein.

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So soll der zukünftige Avatar-Themenbereich aussehen.

Jedoch setzte Universal Disney weiter unter Druck, denn bereits 2013 bestätigte man den Bau der Winkelgasse in den Universal Studios Florida. Die Eröffnung des zweiten Harry Potter Themenbereichs fand bereits ein knappes Jahr später im Juli 2014 statt. Zeitlich gesehen also genau der Punkt an dem Disney gerade einmal mit den Bauarbeiten für Avatar begann. Augenscheinlich hat Universal es verstanden aktuelle Trends der Popkultur möglichst schnell zu realisieren, um auf der Welle des Erfolgs mitzureiten. Obwohl Disney die nötige Infrastruktur besitzt neue Attraktionen kurzfristig umzusetzen, sieht man sich offensichtlich noch nicht gezwungen schneller auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren. Ein Beispiel dafür ist der Bau der neuen Parkgarage in Disney Springs. Denn in der gleichen Zeit schaffte es Universal die Attraktion Transformers: The Ride 3D zu entwickeln, zu bauen und zu eröffnen. Doch Universal erhöhte die Schlagzahl an neuen Themenbereichen erneut. Bis zum heutigen Tag hat Universal viermal die Wizarding World of Harry Potter realisiert: Universal’s Islands of Adventure (2010), Universal Studios Florida (2014), Universal Studios Japan (2014) und Universal Studios Hollywood (2016).

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Die Winkelgasse in den Universal Studios Florida setzte neue Maßstäbe in der Freizeitbranche.

Einer der Gründe für den enormen Erfolg der Harry Potter-Themenbereiche ist, dass Universal auf etwas setzte, was Besucher wirklich wollten. Das Unternehmen gab Millionen von Gästen die Möglichkeit die Welt des Zauberjungen eigenständig zu erkunden. Zudem spricht Universal eine komplette neue Zielgruppe an: Gäste, die ihr ganzes Leben darauf gewartete haben einmal in der Welt von Harry Potter zu sein. Die Lektion für Disney wird hier sehr deutlich. Disney sollte lieber auf die Gäste hören anstatt ihnen zu sagen, was sie wollen. Natürlich war der erste Avatarfilm ein Kassenschlager. Aber das bedeutete nicht, dass Avatar das gleiche Maß an Leidenschaft und Unterstützung besitzt wie Harry Potter. Besucher wollen nicht ausschließlich den Themenbereich von Harry Potter besuchen, weil sie den Kinofilm sahen, sondern weil es etwas ist, was sie jahrzehntelang begleitet hat. Viele der Parkgäste sind mit Harry Potter aufgewachsen und sehen dies als Teil ihrer Kindheit, vielleicht sogar als Teil ihrer Phantasie.
Zu dem Zeitpunkt wurde Disney bewusst, das Avatar alleine nicht die Antwort auf Harry Potter sein kann. 2015 war es dann soweit und Disney setzte zum Gegenschlag an: auf der D23 Expo in Kalifornien wurde gleich der doppelte Bau eines Star Wars–Themenbereich im Disneyland Anaheim und in den Disney’s Hollywood Studios angekündigt. Zudem sollten die Disney’s Hollywood Studion noch um einen Toy-Story-Themenbereich ergänzt werden.

Star Wars Land Concept Art 475x285 Disneys Antwort auf die Wizarding World of Harry Potter: Star Wars

Das neue Star Wars-Land sieht auf den Artworks sehr vielversprechend aus.

Man könnte meinen Disney hat endlich auf die Wünsche der Parkgäste reagiert und den Traum nach einem Star Wars Themenbereich erhört. Doch auch hier gibt es einen kleinen Haken. Denn auf der D23 Expo wurde bereits klargestellt, dass sowohl der Themenbereich, als auch die Attraktionen sich ausschließlich auf die neuen, von Disney produzierten Filme beziehen werden. Disney hat sich demnach also bewusst dafür entschlossen auf etwas zu verzichten, was Millionen von Menschen über Generationen hinweg geliebt haben. Denn an sich ist das Intellecutal Property von Star Wars noch um Längen größer, als das von Harry Potter. Wir sprechen über einem Zeitraum von knapp 40 Jahren in denen Star Wars existiert. Ob das die richtige Entscheidung war, wird sich in den nächsten Jahren herausstellen.
Nichtsdestotrotz war die Entscheidung einen Star Wars-Themenbereich zu bauen, die richtige. Doch seit der Wizarding World of Harry Potter haben Parkbesucher ein anderes Verständnis von dem Wort Themenbereich. Universal setzte mit der Wizarding World neue Maßstäbe. Noch nie zuvor war ein einzelner Bereich dermaßen allumfassend und in sich logisch geschlossen – und das bis ins kleinste Detail. Es gibt dort nichts, was es nicht auch in Hogwarts geben würde. Dies beginnt beim Essen und hört beim Merchandise auf.

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Solche Bilder gehören hoffentlich bald der Vergangenheit an.

Falls Disney eine geeignete Antwort auf die Wizarding World geben will, sollten sie die Marke Star Wars mit dem nötigen Respekt behandeln. Fans der Weltraumsage möchten voraussichtlich ein ähnliches Erlebnis haben, wie Besucher von Hogwarts oder der Winkelgasse. Das bedeutet, Disney darf unter anderem keine Minnie Maus Plüschtiere mehr mit einer Prinzessin Leia-Frisur verkaufen. Auch Micky Maus Ohren in R2D2-Optik sollten schnellstmöglich aus den Souvenirshops genommen werden. Von Micky Maus Charakteren im Jedi-Outfit ganz zu schweigen. Zusätzlich sollten Auftritte von Darth Vader und den Sturmtrupplern, welche zu Musik von Michael Jackson tanzen, ab sofort der Vergangenheit angehören.

Die Zeichen für eine Veränderung im Umgang mit Star Wars stehen gut. Bob Iger, Disney CEO, kündigte auf der D23 Expo an, dass nichts im neue Themenbereich untypisch für Star Wars sein wird. Die Bewohner der Planeten, die Attraktionen, die Shows, das Essen etc. sollen, laut Iger, Teil der Story sein. Im Gegensatz zu Harry Potter gibt es derzeit noch recht wenig typisches Essen, welches in der neuen Welt verkauft werden könnte. Vielleicht löst Disney dieses Problem mit den nächsten Filmen.
Alles in allem sind wir gespannt, ob Disney es schaffen wird, ein ähnliches Erlebnis, wie in der Wizarding World of Harry Potter, zu erzeugen. Bis jetzt stehen die Karten für eine nicht allzu weit entfernte Eröffnung gut, denn die Bauarbeiten haben an beiden Standorten bereits begonnen.

Pictures: Disney, Universal

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