Gröna Lund wurde 130 – Eine Reise durch die Geschichte

Gröna Lund, der grüne Hain. Letzten Freitag vor 130 Jahren eröffnet, wird jeder Besucher der schwedischen Hauptstadt Stockholm zwangsläufig mit diesem Namen, mit diesem Park konfrontiert. Sei es im Reiseführer, auf unzähligen Plakaten oder bei der Bootsrundfahrt durch die Stadt, Gröna Lund gehört zu Stockholm wie der Dom zu Köln. Der Park ist eine Oase der Erholung, eine Ausgehmeile, eine einzige Open Air Bühne und zu all dem noch ein Freizeitpark, wie es ihn kein zweites Mal auf dieser Welt gibt. Seit weit über hundert Jahren für das Publikum geöffnet, haben sich auch unzählige Geschichten angesammelt, die hier unmöglich alle wiedergegeben werden können. Es kamen und gingen Attraktionen, es waren Legenden zu Besuch und es ging eine Familientradition zu Ende. Auch wenn Gröna Lund oft im Schatten des weltberühmten Tivoli in Kopenhagen oder Liseberg in Göteborg steht, liegt nun der Fokus zu diesem Jubiläum voll und ganz auf dem kleinsten schönsten Park der Welt im Stockholmer Hafenbecken. Na gut, ein bisschen abschweifen sei erlaubt.

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Gröna Lund lockt jährlich rund 1,5 Millionen Besucher an.

“Djurgarden ist ein großes Stück Land, welches von unserem König persönlich zu einem Garten gemacht wurde. Komm mit uns rüber. Wir sind immer noch in der Stadt.” – Hans Christian Andersen. Auch wenn Stockholm zu seiner Zeit etwas kleiner war, hatte Hans Christian Andersen recht. Djurgarden, zu Deutsch der Tiergarten, ist der Garten Stockholms, mitten in der Stadt. Um 1646 wurden einzelne Gebäude für Seeleute und später für Arbeiter der Schiffswerft gebaut, viele davon sind noch heute in ihrer typisch skandinavischen Holzoptik zu bestaunen. In der Lilla Allmänna Gränd, der Hauptstraße der Siedlung befindet sich noch heute ein Müllerhof, dessen Garten den Namen Gröna Lunden trug. Zudem fand man an derselben Straße eine Kneipe namens Gröna Lund, vermutlich der Namensgeber des Parks.

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Djurgarden mit dem noch relativ kleinen Gröna Lund

Es ist in Skandinavien immer etwas schwer, von „alten“ Freizeitparks zu sprechen. Wurde in Deutschland der älteste noch existierende Freizeitpark 1924 gegründet (Erlebnispark Tripsdrill, siehe letzte Ausgabe), so können darüber die beiden Parks um Kopenhagen nur müde lächeln. Mit Bakken (1583) und dem Tivoli (1843) liegt die Wiege der Freizeitparks im Norden Europas. Selbst der Branchenprimus schlechthin, das Disneyland, wurde davon teilweise erschreckend offensichtlich beeinflusst. Gröna Lund ist zwar der älteste Park Schwedens, doch mit seiner Eröffnung am 3. August 1883 schon fast ein Spätzünder. Der Deutsche Jakob Schultheiss pachtete das 370 Quadratmeter große Gebiet direkt am Wasser, welches er in kürzester Zeit zu einem Ort mit „Karussellen und anderen Vergnügungsanordnungen“ verwandelte, wie er es selbst nannte. Bei dem teilweise sogar noch unter dem Namen Tivoli Gröna Lund bekannten Park, wurde nie versucht den Einfluss vom Kopenhagener Pendant zu leugnen.

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Njösfältet und Gröna Lund waren einmal zwei seperate Freizeitparks

Die Lilla Allmänna Gränd, so unbekannt der Name selbst für Ortskundige klingen mag, gibt es nach wie vor. Es ist die Straße, welche den Park in zwei Hälften teilt, jenes Gässchen, welches wohl schon jeder Besucher mehrere Male überschritten hat, ohne es zu merken. Doch dies war nicht immer so. Früher waren beide Hälften eigenständige Freizeitparks, Gröna Lund und Nöjesfältet, bis sich die Parks 1940 durch die spätere Hochzeit zweier Kinder der Besitzerfamilien verbanden. Bis 2001 wurde der Park von Schultheiss Nachfahren, der Familie Lundgren, geführt, die den Park auf dem grünen Hain an die Skandinavischen Gruppe Parks and Resorts verkaufte. Heute ist der Park mit knapp 1.5 Millionen Besucher, einem jährlichen Umsatz von 470 Millionen Schwedischen Kronen und einem Gewinn von 44 Millionen Kronen das Aushängeschild der Gruppe und eine der erfolgreichsten Freizeiteinrichtungen Skandinaviens.

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Bla Taget ist einer der großen Klassiker des Freizeitparks

Wie schon anfangs erwähnt waren in Gröna Lund zahlreiche Legenden zu Besuch. Auf der großen Bühne, umrahmt vom Free-Fall Tower, der großen Achterbahn Jetline und dem Vekoma Suspended Family Coaster Kvasten, geben sich Weltstars wie auch lokale Größen die Klinke in die Hand. Die ewige Liste der größten Stars auf dieser Bühne liest sich wie ein Traum eines jeden Festivalveranstalters. The Beatles, Elton John, Lady Gaga, ABBA, Alice Cooper, Jimi Hendrix und viele mehr brachten Gröna Lund schon zum Kochen. Der legendärste Auftritt kann wohl aber Bob Marley zugesprochen werden. Nachdem er 1976, 1977 und 1978 bereits Tausende in seinen Bann zog, sorgte er bei seinem vierten und letzten Konzert in Gröna Lund für einen absoluten Besucherrekord. 32 000 begeistere Fans versammelten sich im Park, eine unglaubliche Zahl, bedenkt man, wie klein und eng der ganze Park gebaut ist. Selbst das Riesenrad war nicht mehr vor Kletterer sicher, die versuchten, einen Platz mit Sicht auf die Bühne zu ergattern.

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Thriller, das reisende Meisterstück aus dem Hause Schwarzkopf

Eine ganz andere Legende beehrte Stockholm im Sommer 1996, die vom Achterbahnguru Anton Schwarzkopf persönlich erdachte reisende Achterbahn Thriller. Mag man den wenigen Fahrberichten einiger Experten glauben, so war die Bahn eines seiner größten Meisterwerke. Die damals unter der Schaustellerfirma Bruch reisende Bahn war genau eine Saison auf dem Parkplatz neben dem Park zu Gast, bevor sie zurück nach Deutschland und später nach Amerika weiterzog. Für diesen Sommer besaß der Park zwei der größten Schwarzkopf-Bahnen, die je gebaut wurden. Immerhin eine davonhat es bis heute dort ausgehalten, der Platzhirsch unter den sieben Achterbahnen. (Fortsetzung folgt..)

 

(c) Bilder: Gröna Lund, Bruch & Söhne

 

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