Merlin Entertainments – Siegeszug eines englischen Unternehmens?

Die Geschichte von einer der bedeutendsten Freizeitparkketten weltweit begann vor ca. 15 Jahren, als das London- & York Dungeon, sowie ein Sea Life von dem damaligen Betreiber Vardon Attractions erworben wurde.
Wenige Zeit später erweiterte man sein Angebot mit zwei weiteren Dungeons in Edinburgh und Hamburg, die beide heute noch bestehend sind. Die Anfänge zeigen also, dass die ersten Schritte des damals noch jungen Unternehmens in den Midway-Attraktionen liegen, wie sie auch noch zuletzt z.B. in Berlin eröffnet wurden.

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Mit dem London Dungeon – hier noch am ursprünglichen Standort – begann alles

Für Freizeitparkliebhaber wurde es mit dem Verkauf zur Blackstone Group interessant, welche Merlin Entertainments 2005 für über 100 Millionen Pfund übernahm. Schnell wurde weiter expandiert und schon nach kurzer Zeit gehörten auch die Legoland-Parks zum Unternehmen. Damals bestanden die Parks noch aus dem Original in Billund, der zum damaligen Zeitpunkt erst kürzlich eröffneten deutschen Filiale in Günzburg, dem Park in Windsor und dem in Kalifornien. Jahrelang war erst einmal nicht viel los rund um die bunten Bauklötze. 2011 wurde allerdings der zweite Lego-Park in den USA eröffnet. Das damalige Cypress Gardens musste wegen Besucherschwund schließen und der Park wurde von Merlin zum Legoland umgemodelt. So schaffte es auch die erste Holzachterbahn in einen der Lego-Parks, wobei diese zugegebenermaßen schon in Cypress Gardens stand.
Ein Jahr später expandierte man weiter nach Asien und 2012 wurde das Legoland Malaysia eröffnet. Auch die Zukunft sieht der Konzern weiterhin in Fernost: Neben einem im Bau befindlichen Park in Korea, welcher 2017 seine Pforten öffnen wird, ist die Eröffnung für einen Park in Japan im selben Jahr geplant.

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Das Legoland lockt seit 2011 auch Besucher in Florida in die Welt der bunten Steine

Zurück zu den beliebten Midway-Attraktionen, die meist keine große Fläche benötigen und sich deshalb oft in Stadtzentren befinden. Trotzdem können für die Erlebnisse Eintrittspreise von bis zu 20€ verlangt werden, was im Vergleich zu den Freizeitparks sicherlich nicht wenig ist.
Mittlerweile hat man durch die Übernahme anderer Aquarien und einigen Neueröffnungen eine beachtliche Zahl von über 50 Sea Life Centres geschaffen. Alleine neun von diesen befinden sich bei uns in Deutschland. In Oberhausen wurde zudem am Einkaufszentrum Centro das Gelände des ehemaligen Centro Parks übernommen und der Sea Life Abenteuerpark gegründet. Die bisher einzige ernstzunehmende Erweiterung kam allerdings nur in Form einer neuen Wildwasserbahn.
Auch in die Dungeons wurde kräftig investiert, sodass die Zahl auf mittlerweile neun Stück gewachsen ist. In Deutschland eröffnete zuletzt das Berlin Dungeon im Jahr 2013, in San Francisco wurde 2014 das erste Dungeon in den USA der Öffentlichkeit präsentiert.

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Seit wenigen Jahren befindet sich in Berlin das zweite Dungeon Deutschlands

Neben diesen sind die Aussichtsattraktionen, wie das London Eye oder der Blackpool Tower weitere Attraktionen der Kette. Ein weiteres Riesenrad, ähnlich dem in London, befindet sich momentan in Orlando noch im Bau.
Zu guter Letzt existieren noch die Madame Tussaud’s Wachsfigurenkabinette mit mittlerweile 14 Filialen auf der ganzen Welt. Mit der Übernahme der Madame Tussaud Standorte fand aber eine noch viel interessantere Entwicklung statt.

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Artwork zum Orlando Eye

Die Tussaud-Gruppe beschränkte sich nämlich damals nicht nur auf das modellieren von lebensechten Figuren, sondern investierte auch in den Freizeitparksektor. So wurden nicht nur ein Zoo südlich von London gekauft, heute bekannt als Chessington World of Adventures, sondern ebenfalls Alton Towers und der Thorpe Park, beide mit die wichtigsten Freizeitparks in Großbritannien und Europa. Zeitweise war die Tussauds-Gruppe sogar beim spanischen PortAventura Park beteiligt, bis Universal die Anteile wenige Jahre später übernahm.
In Deutschland erntete der Konzern mit dem Kauf des Heide Parks im Jahr 2001 Aufmerksamkeit.
Durch die Übernahme der Tussaud-Attraktionen und des Gardalands hatte Merlin im Jahre 2007 neben den Legoland Parks eine weitere Menge an Freizeitparks im Repertoire. Dazu kamen einige Hotels und Feriencamps, die an die Parks angeschlossen waren bzw. erst von Merlin bebaut wurden.

Parkblick Merlin Entertainments – Siegeszug eines englischen Unternehmens?

Der Heide Park gehört seit 2007 ebenfalls zur Gruppe

Diese Entwicklung und die Übernahme vieler Attraktionen hat durchaus seine Vorteile. Die jetzige Jahreskarte bietet Eintritte in viele der Attraktionen und Parks. Oft häufen sich sogar mehrere Midway Attraktionen, in manchen Parks befinden sich z.B. integrierte Sea Lifes.
Trotzdem sollte man die Entwicklung auch mit einem kritischen Auge sehen. Durch das große Unternehmen geht viel Individualität verloren, zeitweise hieß es in Fankreisen sogar, man forme den Heide Park nach Vorbild des Thorpe Park zur Thrill-Destination um (letzte Entwicklungen zeigen allerdings das Gegenteil). Es werden Achterbahnen, wie der Wing Coaster oder Junior Dive Coaster von B&M gleich mehrfach bestellt und in den Parks platziert, Schilder für Restaurants und Shops unterscheiden sich vom Aussehen im Heide Park kaum von denen in Alton Towers. Dazu bieten die Sea Lifes nur wenig einzigartige Anziehungspunkte und nur das Legoland in Billund kann man von all den Pendants noch als einigermaßen innovativ bezeichnen. Das beste Beispiel aus der letzten Zeit ist sicherlich der neue Name des Dive Coasters im Gardaland. Passenderweise hat man Namen und Logo aus Alton Towers und der dortigen Achterbahn Oblivion des gleichen Typs einfach übernommen.

Also doch kein Siegeszug für den Park mit Investoren und Parks aus aller Welt, der aber irgendwie doch englisch ist? Aus wirtschaftlicher Sicht auf jeden Fall. Nur bleibt die Frage, ob das für uns Fans das höchste Kriterium ist oder ob Qualität und Individualität vielleicht doch die weitaus größere Rolle spielen.

Bilder (C): UnitedwaySuncoast, RagPickingHistory, Freizeitparkinfos, OrlandoSentinel, Heide Park Resort

2 Kommentare

  1. Christian sagt:

    Ich finde es nicht gut was Merlin macht. Einst schöne Parks, wie der Heide Park oder das Legoland Billund wurden kaputt gemacht.

  2. Tobi sagt:

    Sehe ich genauso, wenn man mal vergleicht wie sich das Gardaland vor 2007 Entwickelt hat, und was nach der Übernahme von Merlin passiert ist, ist das echt eine Schande. Allein die Umgestaltung vom Tal der Könige in Ramses hätte man nicht geschmackloser machen können. Das Gardaland legte immer sehr viel Wert auf das Theming, davon ist in den letzten Jahren nicht mehr viel zu sehen. Ich denke nicht dass es mit Merlin so schnell wieder eine Attraktion wie das Rafting, Fuga da Atlantide oder das Fantasy Kingdom geben wird. Ich habe immer den Eindruck dass bei Merlin mehr Wert auf das Marketing als auf das endgültige Produkt gelegt wird. Aktuelles Beispiel ist Oblivion, das Schwarze Loch wurde seit einem dreiviertel Jahr angepriesen, im Endeffekt ist es aber nichts anderes als ein mit Nebel gefüllter Tunnel, da hätte man mit Projektionen oder einer LED-Lichteranlage ähnlich dem Gardaland-Eingangstunnel wesentlich mehr rausholen können.