Neuheiten-Check: Krake, Heide Park

Das hätte er werden können, der riesengroße Clou des Heide Parks. Der erste Dive auf europäischem Festland, top gethemed und mit einer Meistergruppe wie Merlin das nötige Back-up in Sachen Know How in der Hinterhand. Ein gethemtes Vorzeigemodell und schlagkräftiges Gegenargument zu genau dem Fluch, der Coasterdeutschland vor zwei Jahren im benachbarten Hansa Park bis ins Mark erschütterte. Und genau das schien er zu werden. Merlins Propagandamaschinerie wälzte sich seinen Weg durch den Winter und versprach mehr Zuckerl als ein politisches Wahlkampfplakat. Anscheinend genau das, worauf wir in Deutschland noch warteten. Ob die Achterbahn aber genau das hält, scheint ein zwiegespaltenes Thema zu sein. Wir waren vor Ort für den großen Krake-Check.

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Die Krake im Heide Park Soltau soll neue Maßstäbe setzen - Aber wie gut ist sie wirklich?

Zu kurz die Fahrt, zu klein der Drop, andere Dives sind viel cooler. Viel Kritik muss sich die soltauer Achterbahn in den letzten Tage gefallen lassen. Aber jetzt mal Klartext: Wer sich nach Bekanntgabe des Layouts mehr von der Fahrt erwartet hatte, konnte nur enttäuscht werden. Doch selbst wenn die Fahrt mit Lifthill maximal nur eine Minute dauert, ist das B&M typische Fahrvergnügen allgegenwärtig. Vom etwa 40 Meter hohen Drop, über den Immelmann bis zu dem airtimelastigen Camelback macht die Fahrt einfach nur Spaß und präsentiert wieder einmal ungeniert die Stärke einer B&M Anlage – dessen genialen Fahreigenschaften.

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Kurz aber fein - Die Krake überzeugt trotz Unterlänge

Und für die Länge von 476 Meter ist erstaunlicher weiße so ziemlich alles vorhanden, was das Coasterherz begehrt. Geschwindigkeit, G-Kräfte, eine Inversion und die sehr gelungene Airtime über den Camelback. Man könnte zwar bemängeln, dass der Spaß nach wenigen Sekunden auch leider schon wieder vorbei ist und man mitten aus seinem Flow gerissen wird, aber so ist es auch mehr die Enttäuschung über das baldige Ende, als dass man Kritik an der Fahrt üben möchte. Klar, es endet wenn der Spaß gerade anfängt, aber rein vom Fahrgefühl ist man dank des Immelmanns und des Camelbacks dem anderen europäischen Ableger Oblivion in Alton Towers um Weiten vorraus. Und der ist bekanntlich noch kürzer. Fahrtechnisch ist man im Heide Park also mitten in der Zeit. Aber wie sieht es mit der im Marketing so hoch gepriesenen Thematisierung aus?

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Nach dem Immelmann ist es auch leider bald vorbei

Was hat man uns von Seite des Heide Park nicht alles versprochen. Durch das Maul des Kraken, hindurch durch ein Piratenboot. Und das alles vor dem sekundenlangen Stop des achterbahnspezifischen Drops. Hat man sich die Platzverhältnisse in dem kleinen künstlich angelegten Teich im Vorfeld auf Baufotos angesehen, stellte man sich teils auch die Frage, wie das platzmäßig zusammen mit dem Splash realisierbar wäre. Die Lösung mit dem Boot, die optische Täuschung durch das Betrachten in Vogelperspektive, ist ein netter Versuch dem es wegen der viereckigen Form teilweise leider an Glaubwürdigkeit fehlt. Das Krakenmaul, zurzeit klein neben dem eigentlichen Geschehen, fällt auch erst bei näherer Betrachtung auf. Was mit der eigentlichen Thematisierung schief gelaufen ist, hüllt man in tiefes Schweigen, doch auch hier sieht man schon diverse Teile auf dem Firmengelände herumliegen. Ohne dem Maul wirkt es aber, als fehle dem Dive das entscheidene Puzzleteil in den Coasterolymp. Nichts desto trotz ist die Bucht der Totenkopfpiraten um eine geniale Attraktion reicher und fügt sich perfekt in die Thematisierung des Bereichs ein.

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Den Pressemitteilungen nach sollte man durch das Maul der Krake fahren - Fehlmeldung

Aber auch so wäre die Krake themingmäßig bereits erste Sahne. Von Beginn der Warteschlange bis hin zum Schluss setzt man die Gestaltung konsequent durch und würde ohne die raus posaunten Marketingmeldungen eigentlich nichts missen. Auch die im direkten Vergleich sehr niedlichen Dive-Züge scheinen nicht der befürchtete Dorn im Auge zu sein und der Splash steht selbst den großen Ablegern Shei-Kra und Griffon in den USA in nichts nach.

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Die Krake - Großer Splash, kleine Züge

Einzig die Queue für die First Row ist ein wenig schlecht überlegt, denn Platz zum Anstellen gibt es nach einer Treppe kaum, aber auch das wird sich mit Erfahrungswerten gegebenenfalls ändern. Abstriche wegen der Länge und des verpatzten Marketings muss man aber hinnehmen und kommt immerhin mit soliden 4 Sternen in die Gruppe der Top Coaster in Deutschland.

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Heide Park, Soltau
Testcheck 04 Neuheiten Check: Krake, Heide Park

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