Neuheiten-Check: Ring°Racer, Nürburgring

Man könnte fast meinen, der Oktober wäre so etwas wie ein Wundermonat für fast abgeschriebene Achterbahnprojekte. Hätte Anfang des Jahres jemand darauf gewettet, dass der Ring°Racer am Nürburgring und die Flying Turns in Knoebels Amusement Resort sogar im selben Monat eröffnet werden, wäre nun wohl mehr als nur reich. Alleine die Tatsache, dass die beiden Projekte in ein und demselben Jahr eröffnen, war lange Zeit kaum denkbar.
Erstere Bahn jedenfalls stand heute somit erstmals, nach vier langen Jahren, der Öffentlichkeit zur Verfügung. Ob sich die vier Jahre Warten auf die schnellste Achterbahn Europas gelohnt haben? Wir haben den Ring°Racer gestern getestet!

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Endlich geht es los! Der Zug des Ring°Racers in der Station

Doch werfen wir als erstes einmal einen kurzen Blick auf die Geschichte des Ring°Racers, wessen Bau am Ende des Jahres 2007 angekündigt wurde. Zu dieser Zeit plante man allerdings nicht nur den Bau der schnellsten Achterbahn Europas, sondern mit einer Beschleunigung von 0 auf 217km/h die schnellste der Welt. Dass daraus mittlerweile allerdings nichts geworden ist, liegt an mehreren Faktoren. Einer davon war sicherlich die immer wieder auftretenden Probleme, die es bei Testfahrten gegeben hat. Des Weiteren wären dort die lange Zeit nicht vorhandenen Genehmigungen, die den Start für weitere Zeit verzögerten, und zu guter Letzt wäre dort noch die 2010 eröffnete Achterbahn „Formula Rossa“, welche mit einer Spitzengeschwindigkeit von 240km/h sogar noch weit über dem vom Ring°Racer angestrebten Wert liegt und es somit völlig unmöglich machte, dass die schnellste Achterbahn der Welt am Nürburgring stehen wird. Nach weiterem Hin und Her wurde die Bahn nun aber offiziell am 31. Oktober 2013 mit reduzierter Geschwindigkeit eröffnet!

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Die Sekunden der Anspannung vor dem Start…

Der Ring°Racer ist Teil des Freizeitparks Ring°Werk und ermöglicht dem Besucher so eine unbegrenzte Anzahl an Fahrten, nachdem man den Eintrittspreis von 19,90€ bezahlt hat. Der Eingang des S&S Launch-Coaster befindet sich im hinteren Teil der relativ kleinen Anlage direkt neben der so genannten „Pit-Stop-Show“. Nachdem man eine Treppe nach oben bezwungen hat, kann man nun wählen, ob man sich auf der Aussichtsplattform erst einmal ein Bild vom Abschuss machen möchte, oder ob man direkt geradeaus weiter, einen ziemlich kahlen Gang entlang, direkt zur Station der Bahn geht. Dort angekommen muss man nun allerlei lose Gegenstände, wie Handy, Schlüssel oder Brillen (auch mit Brillenband nicht erlaubt) abgeben und wählt anschließend eine der vier Reihen aus. Wenn man nun den Sicherheitsgurt sowie Bügel geschlossen hat, kann das 1220 Meter lange Abenteuer beginnen.

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Das Zusammenspiel der Beschleunigung mit der Geschwindigkeit ist atemberaubend!

Den Anfang macht eine Kombination von mehreren Kurven, welche ein wenig an eine Wilde Maus erinnern. Nachdem man diesen etwas fragwürdigen Anfang hinter sich gebracht hat, folgt das absolute Highlight des Ring°Racers – der Abschuss von 0 auf 160km/h in gerade einmal zwei Sekunden!
Ein Hauptgrund für den Bau einer Achterbahn mit einem Launch war vor allem der, dass man den Besuchern einmal das Gefühl geben wollte, wie in einem Formel 1-Wagen beschleunigt zu werden. Und wo sollte man dieses Gefühl besser vermittelt bekommen, als neben der Start- und Zielgerade einer der berühmtesten Rennstrecken der Welt?
Doch kommen wir wieder zurück zur Fahrt: Wie so oft bei Anlagen dieser Art gibt es auch hier eine Ampel, welche die Mitfahrer auf den Start vorbereitet. Wenn die Lämpchen nun von Rot auf Grün springen, erlebt man den wohl intensivsten Launch Europas – womöglich sogar einen der intensivsten weltweit! Ehe man sich versieht, wurde man bereits auf die Top-Geschwindigkeit von 160km/h beschleunigt und rast geradezu der ersten Kurve entgegen.

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Der Eingang des Ring°Racers.

Hier bremsen die Formel 1-Boliden typischerweise erst einmal ab, um die Kurve ordentlich durchfahren zu können. Wer nun glaubt, dass dies der Ring°Racer nicht nötig hätte, irrt sich leider gewaltig, denn auch hier wird der Zug auf eine moderate Geschwindigkeit runter gebremst, bevor dieser in die Kehrtwende einlenkt. Was nun folgt, ist mehr oder weniger eine lange Fahrt, die von einer Geraden als auch einer S-Kurve geprägt ist. Das einzige Highlight, welches nun noch folgt, ist der liebliche Geruch von frisch gemachtem Popcorn in der Schlussbremse am späten Nachmittag.
Auch wenn die Fahreigenschafften relativ ruppig sind und die Bahn somit gerne einmal rappelt, ist dies angesichts der ziemlich bequemen Sitze sowie der Beckenbügel nur ein kleines Manko.

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Die Odyssee hat endlich ein Ende!

Als abschließendes Fazit zur Bahn kann man sagen, dass der Ring°Racer dank eines gewaltigen Abschusses zumindest seinen Zweck als „Rennstart-Simulation“ voll und ganz erfüllt. Dass der Rest des Layouts kein unerwartetes Highlight mit sich bringen wird, war bereits abzusehen.
Auch wenn die Bahn an manchen Stellen bereits etwas eingerostet wirkt, ist es nun mehr als erfreulich, dass man nach vier langen Jahren endlich eröffnen konnte. Der Launch steht dabei so im Mittelpunkt, dass man glatt über den unspektakulären Rest der Strecke hinweg sehen kann. Für uns hat sich die Bahn 4 von 5 Sterne verdient und wir hoffen, dass die Probleme der Vergangenheit nun auch wirklich Vergangenheit sind!

Ring°Racer
Nürburgring, Deutschland
Testcheck40 Neuheiten Check: Ring°Racer, Nürburgring

Pictures: Copyright Airtimers.com

1 Kommentar

  1. lionheart sagt:

    Die Kurvenkombination am Anfang soll das aufwärmen der Reifen vor dem Rennen symbolisieren.

    Quelle: Parkchef Andreas Stickel, gemeinsame Fahrt heute 02.11.