Piers – Kämpfer gegen Sturm und Zeit

Stellt euch vor, ihr steht am Ende eines Piers und seht aufs Meer hinaus. 50, 100 oder noch mehr Meter von der Küste entfernt, der Duft von salzigem Meer in der Nase und eine sanfte Brise, die eure Haare im Wind flattern lässt, während unter euch die Wellen lustig gegen die Pfosten des Piers schlagen und die Oberfläche des Wassers träge, fast schon melancholisch, immer wieder auf und ab geht. Für einen kurzen Moment verblasst die Welt um dich herum und die Zeit steht still.

pier brighton Foto1 Piers – Kämpfer gegen Sturm und Zeit

Piers – englische Kultur

Die Faszination des Meeres und der Piers gibt es schon seit Generationen, dabei war die ursprüngliche Funktion eines Piers gar nicht, wild-romantisch ins Meer zu ragen und verschiedene Freizeitaktivitäten anzubieten. Die Piers in England, wie wir sie heute kennen, gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert mit dem Zweck, Schiffe zu beladen oder zu löschen. Durch das Aufkommen moderner Transportmittel wurden viele Piers nutzlos, weshalb man sie in die heute bekannten Freizeitziele verwandelte. Sowohl Einheimische, als auch Touristen erkannten die einmalige Atmosphäre, die man dort oben genießen konnte und schließlich kamen die Piers dort an, wo sie jetzt stehen: Als Anbieter verschiedenster, freizeitlicher Aktivitäten.

So gibt es zum Beispiel auf dem Pier in Eastbourne eine eigene Spielehalle und am Ende des Piers, schon sehr weit am Meer draußen, sogar eine eigene Disco. Andere Piers bieten Attraktionen und Rides an, die man – vorsichtig formuliert – als Piers mit einem Freizeitpark bezeichnen könnte, wobei es die Bezeichnung einer „besseren Kirmes“ genauer treffen würde. Hier sind beispielsweise der Central Pier in Blackpool oder der Brighton Pier zu nennen. Der Pier in Brighton beispielsweise ist der meistbesuchte Pier im ganzen Vereinigten Königreich, weshalb ihm die airtimers-Redaktion einen eigenen Artikel widmen wird.

pier eastbourne Titelbild Piers – Kämpfer gegen Sturm und Zeit

Der Pier in Eastbourne mit nächtlicher Beleuchtung

Wie man sich vorstellen kann, müssen solche Piers über Jahrzehnte wahnsinnig viel aushalten. Die Belastung der oben stehenden Gebäude, das salzige Meerwasser, das das Holz angreift, Stürme, Vandalenakte, und immer wieder vorkommende Feuer, setzen den Piers zu. Erst relativ spät, nämlich 1979, wurde die „National Piers Society“ (NPS) von Sir John Betjeman mit dem Bestreben gegründet, beschädigte Piers zu retten und allgemein Piers für die Nachwelt zu erhalten – immerhin haben sich seit dem Jahr 2000 die Anzahl der bestehenden Piers halbiert. Die Arbeit trägt Früchte, ohne die Interventionen und die Anstrengungen der NPS, wäre die Anzahl der Piers heutzutage deutlich geringer.
Übrigens wählt die NPS jedes Jahr den „pier of the year“ – der aktuelle Inhaber der Auszeichnung ist der Pier in Penarth.

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Pier of the Year 2014 – Penarth

Habt Ihr schon einmal eine Kirmes auf einem Pier besucht? Wenn ja, wie hat sie euch gefallen? Kommentiert diesen Artikel und lasst uns wissen, was ihr schon gefahren seid!

Fotos Copyright NPS, Brighton Pier, Eastbourne Pier, Penarth Pier

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