Pleasure Pier Galveston: Die Angst vor dem Hurricane

Galveston ist ein kleiner Ort mit etwa 50.000 Einwohnern etwa eine Stunde südlich von Houston, Texas und einer der vielen Orte mit einem kleinen Boardwalk-Freizeitpark in Amerika. Doch so klein Galveston ist, der Ort wird vor allem in den heißen texanischen Monaten stark frequentiert. Als Naherholungsgebiet der Houstionians, wie sich die Bewohner der Stadt Houston selbst bezeichnen, ist Galveston von großem touristischen Interesse. Da wundert es wenig, dass auch verschiedene Freizeitanlagen installiert wurden, wie eben der Pleasure Pier oder der Schlitterbahn Waterpark.

Das Spiel mit dem Wetter

Texas ist nicht gerade für sein mildes Klima bekannt. Im Sommer erreicht das Quecksilber gerne Werte jenseits der 40° Celcius. Das wirkt sich auf das Leben in den Großstädten aus. Befindet man sich etwa in Houston Downtown, dem Geschäftszentrum der Stadt, wird sofort auffallen, dass so gut wie niemand auf den Straßen zu Fuß unterwegs ist. Das mag viele nicht verwundern, erledigt der Amerikaner doch so viel wie möglich mit motorisiertem Untersatz, aber in New York oder Los Angeles spazieren die Leute auch in der Innenstadt.

Erst wenn man sich selbst auf die Suche nach den Menschen macht und sich beginnt zu fragen, ob denn hier niemand arbeitet, denn für Geschäftstermine müssten Angestellte ja dann doch mal das Gebäude verlassen, wird man eine überraschende Antwort finden. Downtown Houston ist zu großen Teilen komplett untertunnelt. Das komplette Geschäftsleben spielt sich daher in den Gebäuden oder im Untergrund ab. Die Houstonians entfliehen so der großen Hitze, die in der Betonwüste einer Innenstadt noch stärker sein dürfte. Wenn man sich vorstellen will wie das ganze aussieht, muss man sich einfach eine riesiges, unterirdisches Einkaufszentrum vorstellen. Hier gibt es Geschäfte und vor allem verschiedene Dining-Möglichkeiten für die Mittagspause. Hier tummeln sich tausende von Leuten und es sieht erstmal gar nicht so aus, wie man sich einen Tunnel vorstellt.

Ein weiteres Phänomen des Bundesstaates Texas ist seine geographische Lage. Nach Norden gibt es keine nennenswerten Gebirge, die Wetterfronten Einhalt gebieten könnten. Wenn es also wie aktuell im Norden der USA extrem kalt ist und gleichzeitig in Texas wohlige 25° erreicht werden, kann es zu schnellen Temperaturstürzen kommen. In Deutschland kennt man solche Temperaturwechsel vor allem über mehrere Stunden und dann meist in einem Rahmen von 5-10°. Wer allerdings bei 30° in der Sonne spazieren geht und sich noch fragt, ob er sich besser mit Sonnencreme einschmieren sollte, um dann exakt zwei Minuten später bei nur noch 3° nach einem warmen Ort sucht, bekommt in etwa ein Gefühl dafür, wieso eigentlich Tornados oder Hurricanes entstehen.

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Das zerstörte Flagship-Hotel nach Hurricane Ike 2008

Die windige Geschichte des Galveston Island Historic Pleasure Pier

Ursprünglich wurde der Pier als Erholungsgebiet für das Militär errichtet. Erst in den 1940er Jahren wurde der heute geschichtsträchtige Pleasure Pier eröffnet. Das Areal erinnert stark an den Coney Island oder Santa Monica Pier und war die Heimat einiger Attraktionen. Immerhin war der Pleasure Pier zur damaligen Zeit der größte Freizeitpark seiner Art und wurde schon damals häufig besucht.

1961 jedoch wurde das Gelände von Hurricane Carla nahezu vollständig zerstört. Der Sturm erreichte bei Auftreffen auf die Küste die Stärke 4 und ist bis heute als einer der stärksten Hurricanes der Geschichte der USA bekannt. Glücklicherweise kam es durch Evakuierungen nur zu 41 Todesfällen. Der Schaden hat sich damals auf 325 Millionen US-Dollar belaufen. Hochgerechnet auf die heutige Kaufkraft wären das 2 Milliarden US-Dollar.

Nur vier Jahre später wurde auf dem Pier das Flagship-Hotel eröffnet. Dabei handelte es sich aufgrund seiner Lage “über dem Meer” um ein einzigartiges Hotel “auf” dem Golfstrom. Das Hotel wurde zum Symbol für Galveston und erlangte nationale Bekanntheit und öffnete seine Tore für die nächsten 40 Jahre. Für den Freizeitpark gab es in diesem Zeitraum keinen Platz mehr und seine Geschichte schien besiegelt zu sein.

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Pleasure Pier vor 1960

Hurricane Ike zerstört das Flagship-Hotel irreparabel

Geschichte wiederholt sich bekanntlich und auch so wusste man, dass irgendwann der nächste Hurricane kommen würde. 2008 war es dann soweit und Hurricane Ike traf die Küste mit der Stärke 2, also deutlich weniger intensiv als noch Hurricane Carla Jahre zuvor. Trotzdem reichte dies aus, um das Hotel so sehr zu verwüsten, dass nur noch ein Abriss in Frage kam. Ike forderte bis zu 200 Opfer und verursachte Schäden von bis zu 37,6 Milliarden US-Dollar.

Anstatt das Hotel wieder aufzubauen, begann man einen familienfreundliche Freizeitpark zu errichten (wir berichteten): den heutigen Pleasure Pier. Nach einigen Jahren der Planungen und Aufbau der Attraktionen eröffnete der Freizeitpark im Mai 2012 zu seiner ersten Sommersaison.

Neben dem von Forrest Gump inspirierten Restaurant Bubba Gump Shrimp Co, sind es vor allem die vielen Attraktionen, die für große Besucherströme sorgen. Allen voran der Gerstlauer Euro-Fighter “Iron Shark”, der mit Vertikal-Lift, einem mehr als senkrechten Firstdrop und vier Inversionen das Herz aller Achterbahnfans höher schlagen lässt. Die Fahrt ist zwar recht kurz, aber besonders intensiv und vor allem der Abschluss, wenn die Gondel auf die Kante des Piers zurast, ist schon etwas besonderes. Aber auch eine Wasserbahn (Pirate’s Plunge) hat auf dem Pier Platz gefunden. Ein weiteres besonderes Highlight ist der Texas Star Flyer, der den Wagemutigen in etwa 70 Metern Höhe das Gefühl gibt, über dem Meer zu fliegen.

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Blick auf Iron Shark vom Strand

Zukunft des Pleasure Pier

Mit einem Ticketpreis von $26,99, der fantastischen Lage und den großen Besucherströmen in den Sommermonaten, gehört der Freizeitpark heute zum festen Bestandteil von Galveston. Aktuell bereitet sich die Stadt auf die Saison 2014 vor, aber auch jetzt ist es in Texas schon angenehm warm, weshalb der Pier an den Wochenenden seine Pforten öffnet. Weitere Bebauungspläne sind derzeit nicht bekannt und es wäre auch kein Platz dafür. Man müsste schon ins Meer bauen.

Trotzdem wird die Angst vor den Hurricanes weiter bestehen. Bei den extremen Wetterlagen wird es immer wieder zu Stürmen kommen. Es handelt sich dabei nur um eine Frage der Zeit. Es könnte 2014 passieren, aber auch erst 2044 und wenn es soweit ist, wird man die Anlagen nicht ausreichend schützen können. In Galveston wird man daher darauf eingestellt sein, dass irgendwann wieder der Tag kommt, der für viel Leid und Verwüstung sorgt. Und auch nach diesem Sturm werden die Amerikaner wieder aufbauen, was zerstört wurde.

Bis dahin jedoch sollte jeder der einmal in die Gegend kommt, dem Pier einen Besuch abstatten. Es lohnt sich.

 

Bilder: baldheretic.com; bill37mccurdy.wordpress.com; facebook.com/galvestonislandpier

Bildergallerie: Airtimers.com

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