Rutschrevolution in der Schweizer Bäderlandschaft

Während wir momentan einen Sommer bei herbstlichen Temperaturen ertragen, findet in der Schweizer Spassbadszene seit ein paar Jahren ein regelrechtes Frühlingserwachen statt. Viele Leser werden sich jetzt vermutlich fragen, welche Spassbadszene es in der Schweiz überhaupt gäbe, den meisten ist, wenn überhaupt, gerade mal das Alpamare ein Begriff. Doch mittlerweile haben sich neben vielen kleinen Frei- und Hallenbäder vier grosse Bäder entwickelt, welche auch den internationalen Vergleich nicht scheuen müssen. Drei dieser vier „Big Player“ gehören internationalen Investorengruppen an, welche nebenbei alle behaupten, eine Leaderposition in Sachen Vergnügen einzunehmen. Doch ein Rutschparadies hat sich ganz ohne grossen Konzern im Hintergrund etabliert, und dabei gleich noch eine Art Wettrüsten eingeläutet.

Lido Locarno Rutschrevolution in der Schweizer Bäderlandschaft

Spassbad an Traumlage - Lido di Locarno

Der Lido (Italienisch für Strand) in Locarno ist bekannt für seine aussergewöhnlich schöne Lage direkt am Lago Maggiore im italienischen Teil der Schweiz. Nach einer grösseren Umbaumassnahme wurde im Oktober 2009 der neue Lido di Locarno eröffnet, ein Schwimmbad mit mehreren aussen und Innenpools sowie vier spektakulären Rutschen. Neben zwei klassischen Röhrenrutschen werden dem Badegast eine Loopingrutsche und eine Trichterrutsche geboten, alle Rutschen vom Schweizer Hersteller Klarer, einem der bekanntesten in der Branche. Die in Grün- und Blautönen gehaltenen Röhrenkonstruktionen sehen neben dem gläsernen Hauptgebäude, umrahmt von See und Wald, edler aus als jedes andere Erlebnisbad des Landes.

Aquaparc Booster Loop Rutschrevolution in der Schweizer Bäderlandschaft

Nur eins der Highlights im Aquaparc - Booster Loop

Dieser Sprung auf den ersten Platz im nationalen Ranking der spektakulärsten Rutschen liess sich der 1999 eröffnete Aquaparc in Le Bouveret am Genfer See im französischen Teil der Schweiz nicht gefallen und toppte diese Neuheit ein Jahr später mit ihrem eigenen Looping, auch von Klarer. Im Gegensatz zum Lido-Looping wurde hier aber der sogenannte Raketenstart, ein Start mittels Falltür, eingebaut. Doch auch neben diesem Highlight ist dieser Wasserpark absolut sehenswert. Ganz in Karibische Piratenthematik gehüllt, präsentiert hier die 2011 von der Compagnie des Alpes abgespaltene Französische „Looping“-Gruppe, ein Tochterunternehmen einer Investmentgesellschaft, den einzigen fast komplett thematisierten Wasserpark der Schweiz. Als Highlight seien hier neben dem Booster Loop die beiden Speedslides und die mit nicht mal 5 Metern wohl kürzeste Wasserrutsche der Schweiz, mit einem freien Fall in ein 3.60 Meter tiefes Becken, genannt.

Alpamare KingCone Rutschrevolution in der Schweizer Bäderlandschaft

Alpamares neuster Zuwachs - KingCone

Um nun die Ehre der deutschsprachigen Schweiz zu retten, schwenken wir über ins Alpamare, dem laut der Betreibergruppe ASPRO grössten Indoor-Wasserpark in Europa. Seit Juni 1977 in Betrieb ist das Spassbad in Pfäffikon am Zürichsee die alte Dame, was man ihm auch stellenweise sehr stark ansieht. Nichtsdestotrotz hat sich hier im Laufe der Jahre ein spektakuläres Rutschenangebot angesammelt, vom völlig verrückten bald 30 Jahre alten Alpha-Bob, welcher vom Fahrgefühl am ehesten mit einem Autoscooter verglichen werden kann bis zum IceXpress, einer Rutsche, die an Pinguinszenen vorbeiführt. Der neuste Zuwachs wurde erst vor wenigen Tagen eröffnet, die 150 Meter lange KingCone, eine sogenannte Cone-Slide von Klarer, welche durch drei kleine Trichter führt. Anscheinend hatte man sich sehr spontan für diese Rutsche entschieden, denn nur ein halbes Jahr nach Planungsbeginn ging dieser Wasserspass in Betrieb.

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Ähnlichkeiten zu Erding sind nicht zu leugnen - Splash e Spa

Schuld an diesem Ausbruch von Spontanität könnte auch ein Projekt des deutschen Alpamares in Bad Tölz sein, die mit dem Schweizer Ableger nicht mehr viel zu tun haben. In der italienischen Schweiz, unweit vom Lido di Locarno entfernt, plant und baut diese Gruppe für einen Schweizer Geldgeber in einem 4000-Seelen Dorf direkt an der Autobahn das neuste Spassbad des Landes. „Splash e Spa“, welches dank seinen Kuppeln der Therme Erding zum verwechseln ähnlich sieht, wird neben einem Wellnessbereich und einem grossen Wellenbad auch einige spektakuläre Rutschen der Firma Wiegand-Maelzer beheimaten. Für die grosse Tornado-Rutsche wurde sogar ein speziell dafür entwickelter Reifenlift in die Kuppel eingebaut. Eröffnet wird der 75 Millionen Euro teure Wassertempel spätestens im nächsten Frühling.

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Ein aktuelles Baubild: Die Rutschen sind komplett montiert

© der Bilder liegt bei den jeweiligen Bädern

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