Schreck-Check 2013: Horror Nights, Europa-Park

Nachdem wir gestern mit der ersten Ausgabe unseres Schreck-Checks einen Abstecher in den schönen Ruhrpott zum Urgestein des deutschen Freizeitpark-Halloweens gemacht haben, blicken wir heute einmal nach Rust zu einem jüngeren Event, welcher 2007 noch mit dem titelgebenden Marc Terenzi startete. Heute ist dieser Event, die Horror Nights des Europa-Park, aber nicht nur den Herrn Terenzi und seinen Namen los, welcher heute in Hannover seinen eigenen Gruselevent veranstaltet, aber trotzdem noch ab und an im Vampire’s Club als DJ auftritt, sondern auch der Ort der Veranstaltung wurde nach zwei Jahren vom italienischen und französischen in den griechischen und schweizerischen Themenbereich sowie einem gesonderten Bereich außerhalb des Parkgeländes verlegt.
Zwischen 20 und 24€ kosten die Karten für die Horror Nights im Vorverkauf und können im Internet auf der Homepage des Europa-Parks erstanden werden. Für Kurzentschlossene oder Gäste, die aus welchen Gründen auch immer nicht die Möglichkeit eines Onlinekaufs haben, gibt es allerdings auch eine Abendkasse, an welcher die Tickets allerdings ein paar Euro teurer sind. Übrigens: Durch den Bau eines neuen Confertainment-Centers musste der Zugang zum Horror Nights-Gelände etwas verlegt werden, und ist nun etwas versteckt am Fahrradweg entlang der Zufahrtsstraße zum Park zu finden. Also brav die Augen offen halten!
Doch genug der Basisinformationen; beginnen wir mit dem Airtimers Schreck-Check zu den diesjährigen Horror Nights!

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Auf zum gepflegten Grusel in Rust – Zeit für die Horror Nights!

Street/Atmosphäre
Das Gelände der Horror Nights erstreckt sich vom YoungStar-Coaster Pegasus über das Eventgelände außerhalb des eigentlichen Parks bis zum Matterhorn-Blitz im Schweizer Themenbereich und dem Flug des Ikarus im griechischen Themenbereich. Hier treiben ein paar sehr aufwändig und qualitativ hochwertig verkleidete und geschminkte Scareactors ihr Unwesen, wobei die Anzahl derer leider etwas niedrig ist. Hinzu kommt, dass es dabei vom anfauchenden Kettensägen-Werwolf-Etwas, dem Mädchenschreck schlechthin, und einem sehr unterhaltsamen und interagierfreudigen Narren auch einige eher fragwürdige Gestalten gibt, wie beispielsweise einen gestiefelten Kater und zwei gehäutete Schweine, die eher lustig als gruselig sind.
Dafür gibt es aber auch zwei Scarezones, das untote „Zombie Arrival“ und das apokalyptische „End of Days“, in denen man einigen Beißern begegnen kann. Insgesamt besticht das Gelände durch eine passende und großflächige Atmosphäre, die mit dichten Nebelschwaden und einer mystischen Beleuchtung glänzt. Das womöglich größte Manko des Events, und das ist an dieser Stelle leider hervorzuheben, ist die relativ geringe Anzahl der Monster (sowohl in den Scare Zones als auch auf der Street), die unter sich noch einen großen qualitativen Unterschied haben. Dieser hängt allerdings nicht an ihrer Gestaltung – die ist durchweg prima -, sondern an ihren Monsterqualitäten. „Nur gucken“ macht ein Schwein, eine Katze und einen hinkenden Zombie leider nicht gruselig.

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Der chinesische Marktplatz, auf dem man essen und shoppen kann.

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Dieser Narr ist für allen Schabernack zu haben!

Extras
Hier können die Horror Nights schon etwas klotzen: zwei Achterbahnen, zwei Flatrides, eine Show, ein Club und viele kleine Verkaufsstände kann die Veranstaltung als ihr Angebot betiteln. Neben dem „Nightcoaster Pegasus“ (Pegasus im Dunkeln mit Nebel und Licht) und dem Matterhorn-Blitz, welcher die Maze „Snow White“ zum Schluss abrundet (dazu später mehr) begnügt auch der Fluch der Kassandra in einer etwas abgeänderten Version und der Flug des Ikarus die Gäste. Um 21.00 und 22.30 Uhr startet als Showhighlight „Horror on Ice IV“, welche in diesem Jahr die Geschichte um Adrienne und ihrem Clown erzählt. Enthalten sind dabei neben den klassischen Eislaufküren und wirklich lustigen Slapsticknummern des Clowns und einem kurzen Auftritt von Hammou Bensalah auch Gesangs- und Magieeinlagen, bei denen man allerdings das Gefühl hat, man kenne diese schon von irgendwo her. Diese Show sollten sich Show-Fans und Freunde nackter Haut – an dieser wird nämlich nicht gegeizt – also definitiv einmal anschauen, ansonsten ist die Show eine gute Gelegenheit für ein wenig Ruhe im Trubel der Horror Nights!

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Horror on Ice geht dieses Jahr in die vierte Runde!

Mazes
Das Herz der Horror Nights sind allerdings die Mazes. Gleich fünf an der Zahl bietet der Park hierbei an; doch starten wir einmal bei der bereits erwähnten Maze „Snow White“, welche sich in der Warteschlange des Matterhorn-Blitzes erstreckt. Mit allerhand Schaumkanonen ist hier sogar für eine gehörige Portion „Schnee“ gesorgt, welcher eindeutig zum Maze passt. In den dunklen Gängen wurden einige kleine Tannenbäume aufgestellt, sodass der Besucher sich – mehr oder minder – in einen gruseligen Wald im Winter versetzt fühlt. Hier begegnet man letztlich einer fiesen Königin, Zwergen und auch einmal dem Schneewittchen höchstpersönlich. Doch aus unerklärlichen Gründen kommt es leider nicht zum großen Grusel, sodass es eher ein Spaziergang durch das, etwas blutigere Märchen wird als ein Horrortrip. Wobei wir hier eine Lanze brechen müssen: in diesem Labyrinth erlebten wir den ordentlichsten Jump Scare des ganzen Events – es blieb aber der einzige im Reich von Schneewittchen.

Als nächstes erkundeten wir die neue Maze „The Crypt“ außerhalb des Parkgeländes, die in ihrer Geschichte allerhand Spinnen und insektoide Geschöpfe bewirbt. In Anbetracht der Arachnophobie des Autors sicherlich kein schlechtes Omen für einen gepflegten Grusel! In dem Maze selbst bahnt man sich den Weg durch Katakomben und mit Spinnennetzen überfluteten Gängen, in denen man schon mal Anubis oder einem Professor begegnet, welcher gerne einmal männliche Geschlechtsorgane auf die Arme seiner Laborbesucher malt. Letztlich setzt „The Crypt“ aber eher auf den Ekel vor fremden mutierten Geschöpfen, die einer Kreuzung aus Spinne und etwas menschenähnlichem beabsichtigt gar nicht so unähnlich sind. Trotzdem fehlt es an einer Art nachvollziehbaren Story, die in Anbetracht des puren Ekels des Mazes aber auch schon einmal vernachlässigt werden kann.

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In "The Crypt" trifft man allerhand kuriose Gestalten...

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Von Minotauren über Schakalgötter bis hin zu Spinnenmenschen - ein Monster übertrifft das andere!

Quasi direkt nebenan befindet sich mit „Take Away“ ein beliebtes Maze, das es bereits im Vorjahr zu bestaunen gab. Gestaltet als ein chinesisches Schnellimbissrestaurant, in welchem es neben Flühlingslolle auch menschliches Fleisch gibt, besticht „Take Away“ mit einer grandiosen Inszenierung und Thematisierung, die sich mit einem perfekten roten Faden vom Anfang bis zum Ende durchzieht. Mit Schreckeffekten an den richtigen Stellen und einer angemessenen Länge macht dieser Schnellimbiss ordentlichen Spaß!

Wenn wir schon einmal bei grandioser Thematisierung sind, müssen wir direkt mit dem nächsten Maze, „The Villa“, weiter machen. Ähnlich dem Motto „Fünf Zimmer, Küche, Bad“ ist dieses Anwesen ein toller Beweis, wie ein Horror-Klassiker (gruseliges Haus, man kennt’s) auch heute noch ohne verrückte und überoriginelle Hintergrundgeschichte daherkommen und natürlich überzeugen kann. Tagsüber kann man dieses Haus sogar schon ab 11 Uhr in einer etwas abgeschwächten, helleren Version mit einer anderen Inszenierungsart erleben, sodass es auch für jüngere Gäste freigegeben ist. Heißt aber nicht, dass es dort schlechter ist! Abends ist „The Villa“ noch einmal etwas düsterer, die Musik ist keine Psycho-Spieluhr mehr sondern ein packender Soundtrack, und die Erschrecker gehen noch einmal einen Ticken härter ran. Die Scares sind perfekt auf die vorbeilaufenden Gruppen inszeniert, es wird nichts dem Zufall überlassen, sodass der Schreckfaktor hier auch sehr hoch ist. Einer unserer beiden Horror Nights-Favoriten!

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Neben chinesischen Speisen stehen in "Take Away" auch ganz andere Dinge auf der Speisekarte...

Der andere Favorit ist das letzte Maze im Bunde: Dead Inside! Hierbei wird die Warteschlange der Wasserachterbahn Poseidon genutzt, was alleine schon eine gigantische Kulisse bietet. Storytechnisch erfährt man bei einem kurzen Briefing durch einen Soldaten, dass man als „Team B“ nach „Team A“ suchen soll, welches von unbekannten Wesen angegriffen wird. Dafür soll man sich natürlich durch die Gänge begeben und einen Button drücken, welcher Verstärkung gegen diese Geschöpfe ruft. Schnell stellt sich jedenfalls heraus, dass diese Geschöpfe Zombies sind, an denen man irgendwie vorbei muss. Auf einer auffällig langen Länge kann dieses Maze vor allem durch zahlreiche Schreck-Effekte von toll aussehenden und gut spielenden Zombies glänzen. So läuft man hier gerne einmal durch einen Gang voller Särge, aus welchem plötzlich ein Untoter herausspringt – natürlich passend untermalt von einer lauten Musik, sodass man einfach, gut und gezielt erschreckt wird. Allgemein wird in „Dead Inside“ gerne einmal auf den Moment der Überraschung gesetzt, aber wir möchten ja nicht spoilern… icon wink Schreck Check 2013: Horror Nights, Europa Park

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Allerhand Untote treiben in "Dead Inside" ihr Unwesen.

Insgesamt können wir eigentlich nur ein großes Lob für die Horror Nights aussprechen. Mit tollen Mazes, die u.a. von JoraVision mitgestaltet wurden, sind Freunde des gepflegten Grusels hier sehr gut aufgehoben! Das Publikum ist, wahrscheinlich durch den Aufpreis für diesen Event, sehr angenehm und bunt gemischt. Man hat jedem Besucher den Spaß (bzw. den Schreck) im Gesicht angesehen, welcher einfach ansteckend war, und es so zu einer geselligen Atmosphäre kam. Ein kleiner Minuspunkt des Events sind, wie oben erwähnt, die Monster auf den Straßen, bei denen sowohl zahlenmäßig als auch bei ihren Erschreckerqualitäten etwas nachgebessert werden müsste – dies wäre in Anbetracht dieser im Großen und Ganzen äußerst gut gelungenen Veranstaltung allerdings nur noch das Tüpfelchen auf dem I. So verleihen wir den Horror Nights 2013 verdiente 4,5 von 5 Kürbissen!

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Copyright - Bild 1-4: David Riedel (Airtimers.com); Bild 5: Europa-Park; Bild 6&8 Andreas Weber (Airtimers.com); Bild 7: Jora Entertainment

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