Wie man lebenslanges Hausverbot bei Six Flags bekommt

Wieder einmal eine Geschichte, die so nur das Leben selbst schreiben kann: da geht ein Mann, nennen wir ihn einmal Hans, in einen Wasserpark. Warum? Weil Hans natürlich Wasserparks und Rutschen äußerst gerne besucht. Leider aber lebt Hans durch diverse persönliche Umstände alleine und muss daher andere Personen fragen, ob sie mit ihm rutschen möchten, da einige seiner geliebten Rutschen nur zu zweit berutscht werden dürfen. Und ehe er sich versieht, hat Hans eines minder schönen Tages ein lebenslanges Hausverbot am Halse, weil sich andere Besucher über seine Frage, ob man zu zweit rutschen könne, belästigt fühlen.

Klingt komisch, ist es auch ein wenig, aber doch ist diese kleine Erzählung zumindest annähernd wahr. Zwar heißt Hans nicht Hans, sondern Jay Marc Harris und lebt in den USA, aber doch auch er ist ein großer Wasserpark- und Rutschenfan, sodass er tatsächlich den Spitznamen „Flume Dog“ trägt. Seit 1984 bereiste er, ausgestattet mit einem Six Flags Season Pass, welcher ihm Zutritt zu allen Parks der Six Flags-Gruppe verschafft, die verschiedenen Freizeit- und Wasserparks mit den sechs Flaggen, um seiner Leidenschaft nachzugehen. Dies ging bis 2006, also ganze 22 Jahre lang absolut problemlos, bis er im Juni 2006 bei einem Ausflug in Six Flags Fiesta Texas in der Nähe von San Antonio mehrere Mütter ansprach, ob er sich ihre Söhne quasi für ein paar Minuten ausborgen könne, um auch diese Rutschen zu berutschen, in welchen man zu zweit sein muss. So hat er es 22 Jahre lang getan, so wollte er es weiterhin tun, da es nie Probleme gab. Warum er nicht die Mütter fragt? Jay Marc gehört zu einer besonderen Gruppe orthodoxer Juden, welche den Chassidismus ausüben. Aus freier Entscheidung darf Jay Marc, welcher dazu noch ehemaliger Rabbiner ist, also nicht mit Frauen gemeinsame Unternehmungen durchführen, wozu auch das Fahren von Attraktionen beziehungsweise das Rutschen von Rutschen gehört. So muss er sich – wohl oder übel – gezielt Söhne ausborgen. Dass nicht jeder diese Umstände von Vornherein weiß, sollte natürlich klar sein, aber drei Mütter, welche Jay Marc gefragt hatte, ob er mit ihren Söhnen rutschen dürfe, fühlten sich so stark belästigt, dass sie sich beim Park beschwerten, welcher Jay Marc sofort ein Hausverbot aussprach, das für alle Parks der Six Flags-Gruppe gilt.

Six Flags Hausverbot Wie man lebenslanges Hausverbot bei Six Flags bekommt

Der Protagonist unserer Geschichte: Jay Marc Harris

In seiner Gutmütigkeit wartete Jay Marc schließlich ein paar Jahre, bis er 2011 schließlich gegen die Gruppe aufgrund von geschlechtlicher und religiöser Diskriminierung klagte. Allerdings scheiterte er immer wieder, da diese Diskriminierung angeblich zu weit in der Vergangenheit liege. Seiner Ansicht nach bleibt diese allerdings durch das lebenslange Hausverbot und die ständige Abweisung an allen Six Flags-Parks bestehen. Jedenfalls scheiterte er auch abermals in dieser Woche bei vor Gericht.
In Anbetracht der aktuellen Toleranz-Debatte sicher ein interessanter Fall für Freizeit- und Wasserparkfreunde. Kann man Menschen pauschalisieren? Ist die Strafe, rein aus Vorsicht, gerecht? Immerhin kann niemand wissen, was ein Fremder mit den Kindern vorhat. Oder ist das ganze überzogen, da der Mann tatsächlich ganz andere Absichten hegt und aufgrund seiner Religion leider nur so vorgehen kann, um seiner größten Leidenschaft nachzugehen? Was haltet ihr, liebe Leser, denn von dem Fall?

Wir hoffen jedenfalls, dass sich doch noch alsbald wie möglich eine Lösung finden lässt, die alle Parteien halbwegs zufriedenstellt. Ansonsten bleibt Herr Harris nichts anderes übrig, als der Six Flags-Gruppe komplett den Rücken zu kehren und zur Konkurrenz zu gehen. Wenn man möchte, kann man sich dafür Disney aussuchen, wobei dort natürlich – jedenfalls von Seiten der Gäste – auch nicht mit Rechtstreiten gegeizt wird… (wir berichteten).

1 Kommentar

  1. Flume Dog sagt:

    Kommt auch ein wenig auf das Alter der Kinder an. Mein Sohn ist derzeit 4 Jahre alt und ich würde keinem Wildfremden erlauben ihn zum Rutschen auszuleihen. Wenn derjenige dann penetrant wäre, würde ich vermutlich auch die Parkaufsicht informieren.

    Abgesehen davon finde ich das Ausleihen von Kindern, um eine Kinderachterbahn zu counten absolut peinlich und das ist ja keine Seltenheit.