Wasser Marsch! – Die Geschichte hinter dem Splash

In den letzten Zügen unseres Themenmonats Wasser, möchten wir noch einmal auf ein Element zu sprechen kommen, dass aktiv und passiv vielen Parkbesuchern im Sommer den Tag versüßt. Mit einem Ausflug in die Historie der Achterbahnen und Vergnügungsfahrten ist es hier nicht getan – auch ein Blick auf die Technik wird das ein oder andere Detail um die Faszination Wasser verraten. In Österreich lässt man sich pritscheln und aus dem Englischen übersetzt heißt es Platscher oder Spritzer. Eine Arschbombe meinem wir hier nicht, sondern den Splash – ausgesprochen: [spleʃ].

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So kann ein Splash aussehen – Tutuki Splash im PortAventura

Beginnen wollen wir noch im 19. Jahrhundert. Damals gab es zwar schon die ersten Achterbahnen, aber Wasser suchte man dort noch vergebens. Die ersten inoffiziellen Splash-Momente erhielten die Baumfäller in den USA beim Abtransport ihrer gefällten Bäume. Mehr dazu in unserem Artikel zur Geschichte der Log Flumes. Doch ab wann kann man vom ersten richtigen Splash-Element sprechen? — Dafür müssen wir nur wenig Jahre weiter gehen, denn bereits 1906 eröffnete eine – für damalige Verhältnisse auch sehr moderne – Bahn für die Gäste des Luna Parks in New York. Hier kann man zwar noch nicht von einer Achterbahn sprechen, doch zumindest fuhren die Boote auf Rädern über Schienen, von der Schwerkraft angetrieben, über 25 Meter bergab – und das in einem Kanal ähnlich der heutigen Wildwasserbahnen – voller Wasser. Die Fahrt für zehn Gäste endete in einem See, in dem gebremst wurde, und so der erste Splash der Geschichte stattfand.

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Schon vor 100 Jahren wusste man sich Nass zu machen

Abgewandelt und vor allem vereinfacht wurde die Fahrt in den kommenden Jahren. Ein Oval aus Holz: Station, Lift, 180° Kurve, Abfahrt, Wasserung und Rückkehr in die Station durch die zweite Kurve. Eine Holzachterbahn mit erstem Splashelement. Der Name der Shoot the Chutes-Bahnen hat sich bis heute in Asien gehalten. Ebenso wie die Bauart der Anlagen. Doch auch in Europa finden sich modernisierte Anlagen: 2002 eröffnete der Oakwood Theme Park mit Hydro die größte Wasserattraktion Europas, welche 2008 nach einem Unfall im Jahre 2004, in Drenched umbenannt wurde, und in einer einfachen Ovalform daherkommt. Die Intamin-Bahn war bis 2012 Spitzenreiter, wurde aber mit ihren 32 Metern Gesamthöhe von Divertical mit 55 Metern abgelöst. Auf Grund der Höhe und des Splash-Elements bleibt Drenched immer noch eine der nassesten Bahnen der Welt.

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Nass, nasser, Drenched

Doch zurück in der Geschichte: Wann gab es den ersten richtigen Splash? Und wieder kommen wir der Antwort nur ein kleines Stück näher. 1959 eröffnet im kalifornischen Disneyland die Doppelachterbahn Matterhorn Bobsleds. Da die Geschichte dieser Attraktion einen eigenen Artikel wert ist, fassen wir kurz zusammen: Arrow Dynamics entwickelt mit Walter Disney zusammen ein neues Fahrsystem, mit Hilfe dessen die finale Bremse der Achterbahn in einem Bergfluss und dessen See endet. Das sieht bis heute nicht nur wunderschön aus, nein, es kühlt auch bis heute die Laufräder der Achterbahn. Die Bahn ist nass, aber ein wirklicher Splash wie wir ihn uns in unseren Träumen ausmalen, entsteht dabei nicht. In den 60er und 70er Jahren entwickeln sich dann vor allem die oben bereits angesprochenen Wildwasserbahnen. Achterbahntechnisch bleibt Disney erst einmal ein Unikat.

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Matterhorn Bobsleds begeistert schon mehrere Generationen

Zwar entwickeln sich die Wildwasserbahnen immer weiter und auch neue Elemente werden probiert, aber aufgrund der fehlenden Möglichkeit den Fahrablauf zu formen, entstehen in den 90er Jahren direkt mehrere Konzepte von verschiedenen Firmen für die ersten, wirklichen Wasserachterbahnen. Diese werden, und hier greifen wir etwas vor, das Element des Splashs zu 100% in seinem Wortsinn erfüllen. Doch dafür schauen wir nun erst einmal auf die unterschiedlichen Splasharten, um sie dann jeweils mit ihren Pionieranlagen und den wohl berühmtesten Vertretern vergleichen zu können.

Splash Down
Hier ist das klassische, allgemeine Element: Der Splash Down. Der Wagen oder Zug taucht in das Wasser ein und verlässt im engeren Sinne die Schiene. Hier gibt es bei verschiedenen Herstellern natürlich Unterschiede. Wichtig ist aber, dass der Splash Down den Wagen immer vollständig abbremst. Hier kann also auch die Funktion der Block- und Schlussbremse erfüllt werden, wenn im Auslaufbereich entsprechende Sensoren verbaut werden. Historisch gesehen, gab es für diese Anlagen im Übergang von Wildwasserbahn zu Achterbahn einige Prototypen. Der erste richtige Wassercoaster mit finalem Splash Down war Journey to Atlantis in SeaWorld Orlando von Mack Rides im Jahr 1998. Fortgeführt wurde die Entwicklung mit dem SuperSplash 2003. Nicht zu vergessen sind hier aber natürlich auch alle Wildwasserbahnen.

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Journey to Atlantis war Mack Rides erste Wasserachterbahn – noch vor Poseidon

Splash Track
Bei diesem Splash wird der Wagen, ähnlich wie beim Splash Down, abgebremst, verlässt aber zu keiner Zeit seine Schienenführung und kann so – je nach Länge der Splash-Zone – als Bremse oder nur als kurzer Effekt dienen. Die Wagen berühren sozusagen nur das Wasser und fahren danach weiter. Je nach Bauart der Wagen wird das Wasser zur Seite oder nach oben verteilt. Nach oben heißt in den meisten Fällen: Nasse Gäste. Der Splash Track kann aber auch als Splash Down fungieren, so zum Beispiel bei Vonkaputous in Linnanmäki, bei dem der Wagen auf der Schiene in die Station zurückfährt. Ein Beispiel zur besseren Unterscheidung ist die bereits erwähnte Intamin-Rekordbahn Divertical in Mirabilandia. Hier durchfährt man nach der ersten Abfahrt erst einen Splash Track, um dann nach der Achterbahnstrecke einen Splash Down zu erleben. Letztes Beispiel für unsere Computerspielfreunde: Der Splash-Bereich der Holzachterbahn bei RollerCoaster Tycoon war immer ein Splash Track.

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Splash Effect
Bekannte Beispiele sind die Bolliger & Mabillard Dive-Coaster mit entsprechender Splash-Zone oder der Hyper-Coaster Diamondback in Kings Island. B&M hat diesen Trend vor allem durch ihre Entwicklung der „Scoops“, zu deutsch Kellen oder Schaufeln, geprägt. Erste Auslieferung war SheiKra für Busch Gardens Tampa, wo am hinteren Ende des Zuges jene Metallschaufeln installiert werden, die für die opulente Wasserfontäne hinter den Zügen sorgt. Wichtig zur Unterscheidung des Splash Track ist hier, das das eigentliche Fahrwerk sowie der Kernzug trocken bleibt, in dem die Schienen durch einen speziell angefertigtem Kanal im Wasser verlaufen.

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Diamondbacks finaler Splash Effect, kurz vor der Schlussbremse

Splash 2.0 oder Splash Party
Diesen Begriff haben wir uns – ehrlicherweise – für diesen Artikel ausgedacht. Momentan gibt es auch nur ein Beispiel, denn seit Anfang 2013 fährt Bandit Bomber in der Yas Waterworld. Der von Vekoma entwickelte Splash Party-Typ nimmt am Anfang 20 Liter Wasser im Wagen mit, die während der Fahrt über die Mitfahrenden verschüttet werden. Ebenso stehen den Gästen während der Fahrt Laserpistolen bereit, mit denen sie während der Fahrt interaktive Wassereffekte auslösen können. Deshalb: Splash 2.0

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Alles Gute kommt von oben – nicht nur bei Regen

Fake Splashdown
Hier kommt der Wagen der Achterbahn überhaupt nicht mit Wasser in Kontakt. Für den Splasheffekt werden über Sensoren Pumpen ausgelöst, die entsprechend neben dem fahrenden Zug Wasserfontänen abfeuern. Beispiele hierfür sind Manta in Sea World Orlando oder der Hyper-Coaster Shambhala in PortAventura.

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Alles nur Fake – und trotzdem von innen und außen ein toller Effekt

Die Arten von Splash-Bereichen unterscheiden sich also auf unterschiedliche Weise und je nachdem, wie sie eingesetzt werden wollen. Manche Lösungen sind störungsanfälliger als andere, wobei durch Wasser auch viel reguliert werden kann. Senkt man Wasserhöhen ist die Bremsung bei manchen Elementen geringer – aber auch die Wassermenge die den Fahrgast oder Zuschauer zu treffen vermag. Im Sommer darf der Wasserspiegel dann wieder steigen, auch wenn dann die ein oder andere Bahn etwas langsamer durch den Rest der Strecke fährt. Natürlich gibt es noch weitere Splash-Elemente und Untergruppen, denn wer mag es zum Beispiel nicht, auch auf dem Rummel nass zu werden. Nach mobilen Wildwasserbahnen und Topspins mit Wasserfontänen gibt es in Spanien seit 2006 auch eine mobile Wasserachterbahn: Selva Encantada.

Die Technik gibt im neuen Jahrtausend kaum noch Grenzen vor. Der Splash ist meist eher eine Idee der Designer und Künstler rund um die Achterbahnen und Attraktionen. Die Faszination entsteht in der Außenperspektive, ebenso wie beim Mitfahren. Wo man bei Rapid Rides nicht weiß, wer nass wird, ist es hier der regelrechte Wunsch erfrischt zu werden. Ob mit feinem Sprühnebel oder literweise Wasser, das liegt meistens im Ermessen des Parks und Ride Operators, wenn nicht bereits bei den Entwicklern der Anlage. Und wie man vor einer Fahrt nicht genau weiß, wie nass man wird, so wissen wir noch nicht, was uns in den kommenden Jahren erwartet. Momentan sind mehrere, innovative Projekte im Bereich der Wasser(achter)bahnen angekündigt – was sie uns bringen mögen, halten wir für euch auch weiterhin hier auf dem Blog fest. Und bis dahin heißt es: Wasser marsch! - Und kommt nass durch den Sommer.

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Krake – der einzige Dive-Coaster Europas mit Splash Effekt

Fotos © Airtimers.com, lunchen, themeparkadventure.com, coastergallery.com, Rik Engelen, coastersandmore.de, Archiv

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