Walt Disney World – Wie Reiche Anstellschlangen umgehen

Orlando ist durch die besondere Kombination aus warmem Klima, tollen Stränden, tollen Hotels und den vermutlich besten Themenparks der Welt zur beliebtesten Tourismusmetropole der USA geworden. Durch das hochwertige und abwechslungsreiche Angebot werden schier alle verfügbaren Zielgruppen angesprochen. In diesem Artikel soll es aber vor allem um den Teil der “Reichen und Schönen” aus Manhattan gehen, welche durch das Entdecken einer ganz besonders dreisten und perfiden Möglichkeit der Zeitersparnis, in den Fokus gerückt werden sollte.

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Disney – Die Welt der Gleichberechtigung?

Wenn man sich mit Manhattan und der dazu gehörigen High Society beschäftigt, wird einem schnell klar, dass sich an der Upper-East-Side alles darum dreht, wer man ist und wo man am besten mit wem gesehen wird. Aber vor allem besteht in dieser Gesellschaftsschicht ein gewisser selbstverständlicher Anspruch, sich vom “gemeinen Pöbel” durch Sonderbehandlungen, gewissen Vorzügen und bezahlter Besserstellung abzuheben. Neben Spendengala-Diniers, luxuriösen, privaten Schulbällen, protzigen “sweet sixteens” und privaten Poolpartys in den Hamptons, hat die selbsternannte High-Class der Gesellschaft einen neuen Urlaubs-Geheimtipp, der sich auf Cocktailpartys genauso schnell verbreitet, wie normalerweise nur der neueste Klatsch und Tratsch oder die heißesten Modetrends.

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Spaß bis zum Abwinken – gäbe es nicht die nervigen Wartezeiten

Mehrere Quellen – unter Anderem die “New York Post” oder die “The Daily City” – berichten über diverse nicht namentlich genannte Kunden, die einen mehr als fragwürdigen Dienst in Zusammenhang mit Disney World Resort Florida beansprucht hatten. Es handelt sich dabei um eine in der Form nicht gedachte Nutzung der Disney Guest Assistance Card, dem Ausweis für körperlich oder geistig beeinträchtigte Besucher. Diesen kann man mit bis zu sechs Freunden nutzen und dabei ohne Wartezeit das volle Fahrvergnügen in den Parks auskosten. Die Ethnologin Wednesday Martin stieß bei Recherchearbeiten zu ihrem neuen Buch “Primates of Park Avenue” auf Aussagen eines ehemaligen Mitarbeiter der Firma Dream Tours, welche einen sogenannten “behinderten Tour Concierge” im Rollstuhl anboten. Dieser sollte ca. 130$ pro Stunde, oder 1040$ für einen ganzen Tag kosten und im Elektro-Rollstuhl, inklusive “Handicapped”-Schild zahlende Kundschaft mit Hilfe dieses Sonderausweises durch die Behinderteneingänge schleusen. Der Mitarbeiter von Dream Tours Florida schildert in einem Interview der “The Daily City”, wie er sich an seinem ersten Arbeitstag die Guest Assistance Card erschlichen hat und sie dann für die VIP Touren verwendete. Das Disney World Resort bietet zwar selbst so genannte VIP-Tours an, diese kosten mit 380$ pro Stunde allerdings erheblich mehr, als über diesen, moralisch doch sehr fragwürdigen, Weg. Also Entweder die Kunden wollten diese Mehrkosten schlicht nicht tragen oder es ist einfach ihre gewollte, schamlose Art der Vorteilnahme. Beides wird nur noch bedenklicher durch die Tatsache, dass die Nutzer dies finanziell gar nicht nötig hätten.

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Give me a dime – why wait in line?

Die Firma Dream Tours reagierte zunächst auf keinerlei Anfragen bezüglich der Vorwürfe, was dazu führte, dass sich der Zorn der Menschen in einem Shitstorm auf der Facebook-Seite des Unternehmens entlud. Vor allem junge Eltern behinderter Kinder sind stinksauer und wünschen der Firma viele Dinge an den Hals, die ich hier nicht wiedergeben möchte. Daraufhin fühlte sich ein Dream Tours Sprecher dann doch genötigt, sich zu dem Thema zu äußern. So hätte man im Team tatsächlich eine Mitarbeiterin im Rollstuhl, diese besäße aber kein “Handicapped”-Schild. “Sie nutzt ihre Behinderung auch nicht dafür, um an den Warteschlangen vorbeizukommen.” Man würde die Sorge verstehen, die “diese schrecklichen Vorwürfe” ausgelöst hätten. “Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass der Artikel aus der ‘Post’ völlig unwahr ist. Wir suchen uns gerade einen Anwalt.” Der VIP-Tours Service wurde aus Gründen “inakkurater Berichterstattung” und “übler Nachrede” eingestellt und von der Homepage entfernt, so Dream Tours.

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RFID – Neue Technoligie gibt Lichtblick

Auch bei der Walt Disney Company ist man natürlich alles andere als begeistert davon, dass die Behindertenfreundlichkeit des Unternehmens derart ausgenutzt wird: “Es ist inakzeptabel, dass Angebote für Gäste mit Behinderungen missbraucht werden”, so ein Disney-Sprecher gegenüber SPIEGEL ONLINE. “Wir überprüfen das nun gründlich und werden die passenden Schritte unternehmen, um diese Aktivitäten zu unterbinden.” Mit dem Magic Band und der neuen RFID Technologie, bieten sich Disney ganz neue Möglichkeiten und mit deren Hilfe man dem Schwarzmarkt für VIP Touren hoffentlich den Garaus machen.

Copyright Bilder: Walt Disney World

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