Walter Elias Disney – Der Vater der Maus

Wie dieser Mann einst die Geschichte des Films und später auch die Entwicklung des Freizeit- und Themenparksektors beeinflussen sollte, ahnte wohl im Jahre 1901 in Chicago niemand, als am 5.12.1901 Walter Elias Disney als viertes von fünf Kindern geboren wurde. Bereits fünf Jahre später, stand mit einem Umzug nach Marceline für den jungen Walt das erste, sehr einschneidende Erlebnis seines Lebens an. Sein Vater Elias hatte in dieser Kleinstadt in Missouri eine Obstfarm erworben, die er selber betreiben und damit den Lebensunterhalt der Familie erwerben wollte. Dieser Traum platzte bereits 1910, als die Farm verkauft werden musste, sodass die Familie Disney daraufhin nach Kansas City umzog. Die Jahre in Marceline haben aber trotzdem deutliche Spuren in der Biografie von Walt Disney hinterlassen, da er zum einen dort sein Zeichentalent entdeckte, und ihn die Hauptstraße dieser kleinen Stadt viele Jahre später beim Bau der Mainstreet im Disneyland in Anaheim stark inspirierte.

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In diesem Haus lebte die Familie Disney für 5 Jahre, und der kleine Walt entdeckte seine Leidenschaft für das Zeichnen.

Die Jahre von 1910-1916 waren für Walt mit sehr viel Arbeit verbunden, da er schon in jungen Jahren seinen Teil zur Haushaltskasse der Disneys beitragen musste. So trug er Zeitungen aus und arbeitete zeitweise sogar als Süßigkeitenverkäufer im Santa Fe-Express. Dass dies nicht das Leben war, welches sich Walt für seine Zukunft wünschte, wurde ihm schon sehr bald klar und er zog im jugendlichen Alter von 15 Jahren zurück in seine Geburtsstadt Chicago, um dort die Kunstakademie zu besuchen. Wenige Jahre später, genauer gesagt 1920, lernte Disney in Kansas City Ub Iwerks kennen, der seine Leidenschaft für das Zeichnen und für Zeichentrickfilme teilte, und gründete mit ihm gemeinsam ein Zeichen- und Trickfilmstudio. Diese Firma kann man ohne Übertreibung als ein finanzielles Fiasko bezeichnen, denn nur zwei Jahre später musste man das Studio wieder schließen, weil die beiden Chefs schlicht und einfach pleite waren. Für Walt war klar geworden, dass er mit seinen Trickfilmen in Kansas keinen großen Erfolg haben würde, und setzte alles auf eine Karte und zog 1922 in die Filmmetropole Hollywood.

Walt Disney lebte bei seinem Onkel als Untermieter und arbeitete verbissen an seinen Animationsfilmen. Diese Arbeit sollte sich schon sehr bald auszahlen, denn eine Filmverleihfirma aus New York kaufte die Rechte an dem Film Alice’s Wonderland, und gab weitere Filme bei Disney in Auftrag. Der 16. Oktober 1923 kann als Meilenstein in der Geschichte von Walter Elias Disney bezeichnet werden, denn an diesem Tag gründeten er und sein Bruder Roy die Disney Company, um den Anfragen der Filmverleihfirma gerecht werden zu können. Diese Firma lief von Anfang an so gut, dass bereits nach sehr kurzer Zeit einige Zeichner, Bürokräfte und andere Mitarbeiter eingestellt werden konnten. Unter diesen Angestellten der ersten Stunde befanden sich auch sein alter Wegbegleiter Ub Iwerks und die junge, sehr attraktive Lillian Bounds, die zwei Jahre später von Walter zum Traualtar geführt wurde. Als Walts Ehefrau sollte Lillian einige Zeit später noch eine sehr gewichtige Weiche im Unternehmen Disney stellen, dazu aber etwas später mehr.1926 wurden die bisherigen Räumlichkeiten für die aufstrebende Firma endgültig zu klein, und man zog in ein großzügiges Gebäude in der Hyperion Avenue, wo mit immer mehr Personal und ausgefeilteren Techniken an den Filmen aus dem Hause Disney gearbeitet wurde.

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So sah der nun deutlich vergrößerte Firmensitz Disneys in der Hyperion Avenue kurz nach seiner Eröffnung aus.

Die Rechte an dem bis dahin erfolgreichsten Disney-Zeichentrickhelden “Oswald the Lucky Rabbit”, lagen bei der bereits erwähnten Filmverleihfirma und dieser Umstand sorgte schon des Öfteren für Unstimmigkeiten zwischen der Disney Company und der Filmfirma. Walt machte sich 1928 auf den Weg nach New York, um die Rechte an seiner Figur zurück zu bekommen, was ihm aber nicht gelang, und so endete dieser Streit mit der sofortigen Auflösung der Verträge zwischen den beiden Firmen. Auf der Rückreise nach Los Angeles zeichnete Walt wie immer, wenn er Zeit fand, neue Figuren für spätere Filme oder Projekte. Unter den auf dieser Bahnreise entstandenen Entwürfen befand sich auch eine kleine Maus, der er spontan den Namen “Mortimer the Mouse” gab. Zu Hause legte er seiner Frau Lillian die Entwürfe vor, um ihre Meinung zu den neuen Figuren zu erfahren. Lillian war von der ersten Sekunde an völlig begeistert von diesem kleinen frechen Mäuserich, den ihr Walter da gezeichnet hat. Sie fand den Namen Mortimer aber unpassend, und schlug stattdessen Mickey Mouse als Namen für den Nager vor. Diese Figur arbeitete er zusammen mit Ub Iwerks weiter aus, sodass die heute berühmteste Maus der Welt offiziell das Licht der Welt erblickte.

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Walt Disney und Ub Iwerks waren nicht nur Partner in ihrer Firma, sondern auch privat sehr eng befreundet.

Am 18.01 1928 feierte der erste Cartoon mit Mickey Maus in der Premiere. “Steamboat Willie” war aber nicht nur der erste Film, in dem Disneys neuer Superstar die Hauptrolle spielt, sondern auch der erste vertonte Zeichentrickfilm überhaupt. Walt Disney lieh hierbei und auch in den folgenden Verfilmungen höchst persönlich Mickey Maus seine Stimme. Von nun an sollte es Schlag auf Schlag gehen. Alleine in den ersten dreißig Jahren veröffentlichte Disney ca. 90 Mickey Maus-Filme, unter denen sich auch der erste in Farbe gezeigte Mickey-Film “The Band Concert” befand. Walter Elias war es neben der Verwirklichung der eigenen Träume, und dem kommerziellen Erfolg seiner Filme sehr wichtig von den “seriösen” Filmemachern anerkannt zu werden. Diese Anerkennung erhielt er erstmalig am 30.07.1932 für sein Werk “Flowers and Trees” in Form des Oscars zugesprochen. Beflügelt von diesem großen Erfolg stürzte sich das Unternehmen um Walt Disney in die Arbeit für das nächste Mammut-Projekt. In den Jahren von 1934 bis 1937 wagten sich die Zeichner an etwas noch nie da Gewesenes und produzierten mit “Schneewittchen und die sieben Zwerge” den ersten Zeichentrickfilm in Spielfilmlänge. Der gigantische Erfolg dieses Filmes an den Kinokassen ermöglichte der Disney einen völlig neue finanziellen Spielräume und einen Umzug in ein noch größeres und schöneres Gebäude in Burbank.

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Walt Disney mit einer der ersten Stoffpuppen seiner berühmten Maus.

Etwa zu dieser Zeit begann in Walt Disney auch der Plan für einen kleinen Freizeitpark in der Nähe der Studios in Burbank zu reifen, welcher aber vom Verantwortlichen für die Finanzen der Firma, seinem Bruder Roy Disney, mit einem einfachen aber deutlichen Nein abgeschmettert wurde. Da Walt Disney aber schon immer ein Träumer und Visionär war, entwickelte er die Ideen für sein eigenes “Mickey Mouse Land” in den folgenden Jahren einfach für sich alleine weiter, und fertigte so im Laufe der Zeit hunderte Zeichnungen und Konzepte für Attraktionen und Landschaftsgestaltung seines Traumes an. Erst im Jahr 1952 war es dann so weit, und die Pläne für einen Freizeitpark sollten umgesetzt werden. Das eigentliche Konzept, einen kleinen Vergnügungspark unmittelbar auf dem Studiogelände zu errichten, scheiterte alleine schon an den Unmengen von fantastischen Ideen, die Walt Disney im Laufe der Jahre angesammelt hatte, und die auf dem Gelände nicht mal im Ansatz zu verwirklichen gewesen wären. Also kaufte die Firma ein vermeintlich großes Stück Land etwas südlich von LA, genauer gesagt in Anaheim, und begann mit den Planungen und dem Aufbau des Disneylandes. Wie wichtig Walt dieses Projekt war, erkennt man schon daran, dass in der eigens für das Erdenken und Erbauen von Attraktionen und Fahrgeschäften gegründeten Firma WED-Enterprises nur die besten und kreativsten Mitarbeiter aus dem Hause Disney beschäftigt wurden. In den achtziger Jahren wurde die Firma übrigens noch mal in Disney Imagineering umbenannt, aber die Besten der Besten findet man auch heute noch dort. Der große Tag der Eröffnung des Parks war auf den 17.Juli 1955 festgelegt, und seit diesem Tag können die Besucher die Themenbereiche Mainstreet USA, Adventureland, Frontierland, Fantasyland und Tomorrowland besuchen und bestaunen. Am Tag der Eröffnung standen den Gästen bereits 20 Attraktionen zur Verfügung, die begeistert angenommen und getestet wurden. Da das Disneyland vom ersten Tage an ein riesiger Erfolg war, obwohl am Eröffnungstag so ziemlich alles schief lief, was schlief laufen konnte, konnten bereits ein Jahr später die nächsten zwölf Fahrgeschäfte errichtet werden, und auch die Thematik und Gestaltung der Themenbereiche wurde noch einmal deutlich verbessert.

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Kurz vor der großen Eröffnung des Parks ist die Main-Street noch eine Baustelle.

Machen wir nun einen etwas größeren zeitlichen Sprung in das Jahr 1964, in dem die Stadt New York als Gastgeber für die Weltausstellung fungierte. Weil Disney einige der spektakulärsten Attraktionen für verschiedene Länderpavillons baute, wurde diese Weltausstellung scherzhaft auch als erste “Waltausstellung” bezeichnet. Für den UNICEF-Pavillon entwarf er zum Beispiel eine Bootsfahrt, die wohl jedem Freizeitparkfan ein Begriff ist und auf den klangvollen Namen “Its a small world” getauft wurde. Für General Electric baute er das “Carousel of Progress”, und für den Autohersteller Ford eine spektakuläre Autofahrt durch das Reich der Dinosaurier. Das unbestrittene Highlight und absoluter Publikumsmagnet war aber die Show “Great Moments with Mister Lincoln”, in der ein audioanimatronischer Abraham Lincoln, Teile aus seinen berühmten Reden zum Besten gab. Die für den damaligen Stand der Technik fast schon surreal anmutende Darstellung gilt als der Vorläufer der heutigen Attraktion “Hall of Presidents” und als der Beginn des Siegeszuges der Audioanimatronics.

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Der Lincoln Animatronic hat die Gäste sowohl auf der Weltaustellung, als auch später im Park tief beeindruckt und gilt heute als erster “moderner” Animatronic

Der Lincoln Animatronic hat die Gäste sowohl auf der Weltaustellung wie auch später im Park tief beeindruckt, und gilt heute als erster “moderner” Animatronic
Das Disneyland in Anaheim wuchs und wuchs, immer ausgeklügeltere Anlagen wurden errichtet und auch die Besucherzahlen stiegen von Jahr zu Jahr. Walt Disney wurde schnell klar, dass das gekaufte Land schon bald zu klein werden würde, und ein weiterer Zukauf von Ländereien in dem Gebiet nicht möglich sein würde. In ihm reifte langsam der Gedanke heran im Osten der USA einen weiteren Park zu bauen, und zu betreiben. Für dieses Projekt kamen anfangs mehrere Standorte in Frage: neben Washington und St. Louis war auch Orlando in Florida einer der Kandidaten. Orlando bekam die Zusage aufgrund von zwei Faktoren: zum einen waren die klimatischen Bedingungen ideal, und zum anderen wollte man auf keinen Fall die Fehler aus Anaheim wiederholen und zu wenig Land kaufen. Freies Land war im sumpfigen Gebiet in Zentralflorida kein Problem, und recht günstig in großen Gebieten zu erwerben. In einer streng geheimen Aktion kaufte Disney über Tarnfirmen und Agenten Ländereien auf, die in etwa das Doppelte der Größe der Insel Manhattan entspricht.

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So wie hier sah es auf dem Gelände in der Nähe von Orlando aus, bevor Disney mit dem Bau von Disney World begann.

Am 15. November 1965 ließ der Disneykonzern die Bombe platzen, und stellte in einer groß angelegten Pressekonferenz sein Floridaprojekt der Öffentlichkeit vor. Neben einem Freizeitpark nach dem Vorbild des Disneylandes in Anaheim sollte auch ein Projekt mit dem Namen EPCOT verwirklicht werden. Diese “Experimental Prototype Community Of Tomorrow” sollte wie der Name schon sagt kein Themenpark werden, sondern eine bewohnte Stadt, in der den dort lebenden Menschen immer die neusten Techniken im Bereich Transport, Arbeit, Leben und Wohnen zur Verfügung gestellt werden sollten. Diese Idee einer Stadt der Zukunft wurde aber, weil sie als nicht finanzierbar galt, schnell wieder zu den Akten gelegt – allerdings erst nach dem Tode von Walt. Am 1. Oktober 1971 öffnete Walt Disney World zum ersten Mal seine Tore und übergab so unter anderem das Magic Kingdom, Sport- und Golfmöglichkeiten, so wie das Contemporary und das Polynesian Resort Hotel symbolisch an die Besucher und Gäste.

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Walter Elias Disney war und ist einer der größten Visionäre, die auf unserem Planten lebten.

Walter Elias Disney verstarb am 15. Dezember 1966 an den Folgen einer Lungenkrebserkrankung und konnte so leider nie sein Disney World selbst erleben und genießen. Wie sich der Disneykonzern nach dem Ableben seines Gründers und Vordenkers in den folgenden Jahren weiter entwickelte, und wie der Stand der Dinge heute ist, wird eventuell in einem weiteren Artikel von uns beschrieben.

Wir sind uns im Klaren darüber, dass dieser Artikel nicht im Geringsten vollständig das Leben und Wirken von Walter Elias Disney beschreibt, und in einigen Passagen sogar recht oberflächlich wirkt, aber darum ging es uns auch nie. Diese Zeilen sollen viel mehr als kleine Würdigung und Erinnerung an einen der größten Visionäre und Menschen in unserem Interessengebiet verstanden werden. Daher möchten wir auch mit einem Zitat von Roy O Disney diesen Beitrag beenden:
” Walt Disney World ist ein Tribut an die Philosophie und das Leben von Walter Elias Disney und an die Talente, die Hingabe und die Treue der gesamten Disney-Organisation, die Walt Disneys Traum zur Wirklichkeit hat werden lassen. Möge Walt Disney World all denen, die an diesen fröhlichen Ort kommen, Freude, Inspiration und neue Erkenntnisse bringen. Dies ist ein magisches Königreich, wo diejenigen, die im Herzen jung geblieben sind, unabhängig von ihrem Alter zusammen spielen und lernen können.”

 

Bildquellen: Disney

3 Kommentare

  1. Daniel sagt:

    Es ist überhaupt sehr schwer, diesen Visionär komplett zu verstehen. Was Disney erreicht hat, ist an sich einfach phänomenal und unglaublich gross. Und uns Fans macht er damit eine unglaubliche Freude. Jedes Mal, egal ob in Anaheim oder Orlando.
    Deswegen ein kleiner Tipp von mir: Das Buch von Marty Sklar “Dream it! Do it!” mit herrlichen Anekdoten über das Wirken von Walt Disney.
    Und der Film “Saving Mr. Banks”. Tom Hanks als Walt Disney. Es geht in diesem Film zwar primär um P.J. Travers, der Schriftstellerin von Mary Poppins, aber im grossen und ganzen ist dieser Film eine wunderschöne Hommage an Walt Disney. Auch die Sherman Brothers bekommen damit endlich einmal ein Denkmal gesetzt.

  2. Roadrunner sagt:

    Ah, Saving Mr. Banks ist natürlich ein guter Tipp!
    Ab 30. Januar (laut imdb.com) endlich auch in den deutschen Kinos. :)

  3. Liv P. sagt:

    Hallo was mich interessieren würde ist warum Marilyn Streep die ja eine sehr anerkannte Schauspieler ist eine Aussage über Walt Disney äußert dass er Antisemit und Rassist sei-und ob da wirklich etwas dran ist?!