Warten ist Nebensache – Das Interview mit EP Parkleiter Miro Gronau

Wartezeiten, Anstellschlangen und Menschenmassen. Alles Dinge, die man in einem Freizeitpark nicht gerne sieht. Vor allem nicht in einem der größten Freizeitparks Europas mit über 4 Millionen Besucher jährlich und einer Gesamtgröße von etwa 850.000 m². Miro Gronau ist operativer Parkleiter im Europa-Park und hat sich diese Thematik zum Beruf gemacht. Wir wollten einmal wissen, was sich oft hinter den Kulissen eines der größten Freizeitparks der Welt abspielt.

tn Miro 1 Warten ist Nebensache   Das Interview mit EP Parkleiter Miro Gronau

Operativer Parkleiter im Europa-Park – Miro Gronau

Airtimers: Hallo Miro! Erzähle unseren Lesern ein wenig über deine Arbeit und dem Beginn deiner Karriere im Freizeitparkbuisness.

Miro Gronau: „Ich bin hier im Europa-Park der Parkleiter, somit für den täglichen Ablauf im Park zuständig. Das beginnt mit den Prognosen der Besucherzahlen, wonach sich dann die Bereiche entsprechend aufstellen, bis hin zum Lösen von allen Aufgaben die täglich anfallen. Ich bin quasi die Zentrale, an die alles gemeldet wird, was im Park passiert und irgendwie eine Lösung bedarf. Das umfasst auch Probleme mit Gästen oder zum Beispiel den Parkschluss zu definieren. Im Grunde hatte ich schon früh den Wunsch mal in der Freizeitparkbranche zu arbeiten. Meine Karriere in diesem Segment begann mit 19 Jahren im Heide-Park im Bereich Marketing. Neben einer Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondent und einem internationalem BWL Studium habe ich mich mit diversen Praktika und Projektarbeiten immer wieder an Freizeitparks gewandt und somit ständig neue Kontakte und Erfahrungen gesammelt. Ich konnte quasi mein Hobby zum Beruf machen!“

Airtimers: Was war denn eine deiner interessanteste und spannendste Erfahrungen die du während dieser Zeit sammeln hast können?

Miro Gronau: „Ohje – davon gibt es so viele! Es war eine sehr, sehr interessante Zeit als ich als Assistent von Roland und Jürgen Mack 4 Jahre lang Einblick in das Management eines Großparks Einblick bekommen konnte. Das hat mich sehr geprägt. Aber auch die Einführung eines komplett neuen Halloween-Events in der originalen Movie World in Australien während einem meiner Praktika war absolut genial, denn es war von Tag 1 an ein voller Erfolg.“

Blue fire Warten ist Nebensache   Das Interview mit EP Parkleiter Miro Gronau

blue fire Megacoaster – nur eine der zahlreichen Achterbahnen im Europa-Park

Airtimers: Man könnte ja fast sagen du ziehst die Fäden des Europa-Parks?

Miro Gronau: „Fadenzieher klingt so „versteckt“. Das ist gar nicht so. Durch meine vielfältige Erfahrung in Freizeitparks, ob nun als Besucher oder Mitarbeiter, und meinen langjährigen Kontakt zur Familie Mack teile ich die Emotionen – die eigentliche Lebensader des Europa-Parks. So versinken wir immer wieder in Strategiegesprächen, spontanen Ideen und auch mal kreativ-gemütlichen Runden. Es ist meine Aufgabe die Standards in meinem Bereich festzulegen und zu schauen wo wir einfach noch besser, schöner, spannender, informativer und erlebnisreicher werden können. Das ist bereichsübergreifend. Da haben wir auch untereinander einen sehr guten Kontakt zueinander. Denn trotz der Größe des Parks läuft hier Vieles noch sehr familiär ab, eines der Sachen was mir hier so gut gefällt. Aber auch Sonderveranstaltungen im Park gehören mit zu meinem Bereich – genauso wie die Koordination von Sonder-Situationen wie z.B. Gewitter oder Sturm.“

Airtimers: Du bist der Schuldige, wenn Gäste stundenlang in der prallen Hitze warten würden? (lacht)

Miro Gronau: „Ja, tatsächlich wäre ich Schuld daran. Deshalb versuche ich das weitestgehend zu vermeiden. Das kann schon ein Schattenspender sein, ein Warteschlangen-Quiz, eine bessere Beschilderung/Wegeführung oder schlichtweg Informationsmaterial wann und wo weniger los ist und welche Attraktionen keine großen Wartezeiten haben. Da ist einiges geplant in Zukunft. Auf ein Erlebnis zu warten ist generell nichts schlechtes sondern steigert sogar die Erwartungshaltung. Nur sollte es natürlich nicht ZU lange sein. Leider ist es oft nicht so einfach gegen die Intuition der Gäste zu arbeiten. Sie laufen oft die gleichen Wege oder kommen ausgerechnet in den Sommerferien. Ob man da wirklich mehr Strategiedenken implizieren kann? Sicher nicht. Dennoch habe ich noch einige Ideen um den Tag für die Gäste noch angenehmer zu gestalten.“

Wodan Top 475x280 Warten ist Nebensache   Das Interview mit EP Parkleiter Miro Gronau

Wodan Timbur Coaster – die neue spektakuläre Holzachterbahn

Airtimers: Wie schaut denn so ein klassischer Arbeitstag bei dir im Park aus?

Miro Gronau: „Es gibt eigentlich keinen wirklich gewöhnlichen Tag. Morgens vor Parköffnung sitze ich mit den Duty Managern von Sicherheit, Shopping, Gastronomie und Technik zusammen. Dann besprechen wir die Dinge, die uns heute und in den kommenden Tagen beschäftigen. Welche Events? Welche Veranstaltungen? Gibt es irgendwo spezielle Aufbauten oder Probleme? Dann öffnet der Park und ab dann bin ich sehr viel im Park selbst unterwegs um die Aufgaben des Tages zu lösen. Natürlich gibt es auch viel Strategisches: wie sieht der Bahnhof der neuen Attraktion aus? Welche Kleidung tragen dort die Mitarbeiter? Welche Sonderevents funktionieren gut, wo müssen wir etwas verbessern? Wie können wir den Service, die Beschilderung, die Parkpläne oder die Verständlichkeit der Kommunikation verbessern etc. Ich tausche mich da viel mit meinen Kollegen aus. Mittags lege ich je nach Besucheraufkommen den tagesaktuellen Parkschluss fest und abends schaue ich, dass alle Gäste gut den Park verlassen. Meistens kommen hier und da nochmal Kommentare oder kl. Probleme die es zu lösen gilt, wie ein liegengebliebenes Auto oder einen verlorenen Schlüssel.“

Airtimers: Wann hast du dann am meisten zu tun?

Miro Gronau: „Da ich erst seit 1. März in der Rolle des Parkleiters bin, kann ich das noch nicht ganz objektiv beantworten. Es ist jedoch nicht so, dass wir hier alle nichts zu tun haben, wenn der Park zu ist (was die Meisten vermuten). Denn gerade im Winter werden die Strategien und Standards für die neue Saison definiert und Um- und Neubauten realisiert – und das neben vielen Sonderveranstaltungen und Tagungen. Natürlich sind für mich sehr volle Tage auch mit viel Arbeit verbunden – das macht mir jedoch auch richtig viel Spaß so einen Tag dann optimal zu leiten.“

Europa Park Hotel Bell Rock 21 475x285 Warten ist Nebensache   Das Interview mit EP Parkleiter Miro Gronau

Das neue Hotel Bell Rock bei der Eröffnung

Airtimers: Wo, würdest du sagen, liegt die größte Herausforderung an dem Job? Gibt es einen Punkt, an dem man selbst zur Marionette wird?

Miro Gronau: „Man darf nie selbst zum Spielball werden sondern sollte immer das Spiel beherrschen. Es gibt natürlich Dinge, die einfach nicht möglich sind – und das hat auch immer einen Grund. Es gibt tolle Attraktionen oder Erlebnisse die man den Gästen nicht bieten kann weil die Kapazität und somit die Wartezeit zu groß wäre. Manchmal muss ich sekundenschnell reagieren und dabei sehr genau wissen was die Resultate meines Handelns sind. Aber das ist ja nicht nur hier so.“

Airtimers: Welche Grunprinzipien gibt es denn um einen möglichen Extremfall zu vermeiden und die Queues und Wartezeiten für die Gäste so angenehm wie möglich zu gestalten?

Miro Gronau: „Anders als in den meisten Parks sind wir als familiengeführter Park sehr flexibel. Die Zufriedenheit der Gäste ist unser oberstes Ziel und wir lassen das auch von einer externen Firma ständig durch intensive Umfragen neutral reflektieren. Anders als die meisten anderen Parks verlängern wir die Öffnungszeiten optimal an das Gästeaufkommen angepasst.Das kann durchaus auch mal bis 22.00 Uhr sein. Aber meistenfalls wissen wir schon vorab welche die starken Tage sind und bereiten uns dem entsprechend darauf vor.”

Airtimers: Worauf achtet ihr dabei bei neuen Attraktionen?

Miro Gronau: „Bei neuen Projekten achten wir sehr auf das Gesamterlebnis. Eine schöne Warteschlange gehört unbedingt dazu. Viele Parks geben Millionen für 2-minütige Fahrerlebnisse aus, dabei stehen die Gäste zuvor stundenlang in einem nüchternen Wartegatter. Da stimmt das Verhältnis nicht. Zudem bauen wir hier in hohem Tempo unsere Kapazitäten aus. Das garantiert den Gästen so viele Fahrten pro Tag wie in keinem anderen Park der Welt.“

foodloop Warten ist Nebensache   Das Interview mit EP Parkleiter Miro Gronau

Das FoodLoop begeistert die Gäste seit 2011

Airtimers: Nenn mir mal ein gutes Beispiel für schlechtes Queuemanagement.

Miro Gronau: „Ich habe meine Diplomarbeit über das mir unerklärliche Phänomen „Virtuelles Warten“ à la Fastpass oder Q-bot geschrieben. Deshalb kann hier meine Antwort durchaus lang ausfallen!“

Airtimers: Wenn du bis morgen im Europa-Park sofort etwas komplett Neues umsetzen könntest, was wäre das?

Miro Gronau: „Losgelöst von aller realistischen Machbarkeit würde ich sehr gerne den Haupteingang in die Mitte des Parks verlegen, sodass die Verteilung der Gästeströme besser balanciert werden könnte. Aber das ist nicht mehr möglich – und ehrlich gesagt macht gerade die so wenig strategische Wegeführung den Europa-Park gleichzeitig zu etwas besonders Charmantem. Ich träume immer noch von einem Wasserpark und einem Bungalowdorf da ich finde, dass der Europa-Park ohne Probleme auch für mehr als 3 Tage Spaß macht.“

Airtimers: Würdest du noch gern mehrere Aufgabenbereiche übernehmen?

Miro Gronau: „Das mache ich bereits! Ich muss mich richtig zurückhalten um mich nicht in noch mehr Projekte einzumischen, sondern mich auf meine Hauptaufgaben zu konzentrieren. Aber ich mache so Vieles einfach viel zu gerne, als dass ich mich wirklich raushalten könnte…”

Airtimers: Wie kommt man eigentlich zu der Gelegenheit, einen für uns Freizeitparkfans solch interessanten Job zu ergattern?

Miro Gronau: „Im Endeffekt ist das gar nicht so schwer. Ich habe mich immer sehr mit der Branche befasst, durch diverse Praktika viel Erfahrung gesammelt und konnte dadurch auch gute Kontakte knüpfen. Es gibt gar nicht so viele Leute die sich richtig ernsthaft für diese Branche interessieren und verstehen, dass hinter einem guten Produkt auch sehr viel Arbeit steckt.“

Interview 1 Warten ist Nebensache   Das Interview mit EP Parkleiter Miro Gronau

Zeigt sich großer Beliebtheit bei den Besuchern – Euro Sat

Airtimers: Was magst du an deinem jetzigen Job am liebsten?

Miro Gronau: „Sehr viel! Der sehr persönliche Umgang und die Begeisterung im Team, die Tatsache, dass kein Tag anders ist wie der Vorangegangene. Ich bin sehr viel draußen an der frischen Luft und all die Arbeit hat nur ein Ziel, dass all den Aufwand entschädigt: begeisterte Gäste.“

Airtimers: Glaubst du der Europapark und vor Allem Mack Rides kann sich in den nächsten Jahren, vor allem da Herr Mack ja Vorsitzender der IAAPA geworden ist, wieder etwas stärker von der Konkurrenz abheben?

Miro Gronau: „Die Familie Mack ist – spätestens durch die Doppelung in der Branche als Betreiber UND Hersteller – immer sehr gut informiert was sich in unserer Branche tut. Es macht uns alle stolz
dass Roland Mack als Präsident der IAAPA Europa in der weltweiten Aufmerksamkeit jetzt in den Mittelpunkt rückt. Schließlich ist Europa die Wiege der Freizeitparks. Sicherlich werden die vielen neuen Kontakte und der
größere, weltweite Focus auf den Europa-Park dies noch weiter fördern. Wir merken das bereits jetzt schon durch viele Besuche von Branchenkollegen und eine sehr starke Nachfrage bei MACK Rides.“

Airtimers: Achterbahnen und Freizeitparks im Allgemeinen.
Wohin geht der Trend? Family, Thrill, Theming – Gute Achterbahnen oder gute Darkrides?

Miro Gronau: „Für mich ist der Trend die Individualisierung. Generell ist jeder Park anders und konkurriert weniger untereinander als mit alternativen Freizeitdestinationen in der Umgebung. Ich glaube nicht an einen generellen Trend in der gesamten Branche. Heutzutage kann ja auch jeder z.B. die Kleidung tragen, die er für sich gerade passend findet – hingegen aller Trends. Es ist wichtig, dass das Produkt gut ausgewogen ist und man seine Zielgruppe kennt. Und das tun wir.“

Airtimers: Wie siehst du den Trend in Deutschland für die kommenden Jahre?

Miro Gronau: „Wir in Deutschland sind, auch im internationalen Vergleich, auf einem qualitativ sehr hohen Niveau. Es gibt unzählige gute Beispiele die man hier nennen kann. Es scheint als würden auch mittelgroße Parks auf Übernachtungsmöglichkeiten setzen und die Großen schauen nach mehr Diversifikation um die Möglichkeiten der Anlagen optimal auszunutzen. Und für die kleinen Parks gilt es einfach authentisch zu sein um die Gäste loyal zu binden. Das ist das höchste Gut.“

Interview 2 Warten ist Nebensache   Das Interview mit EP Parkleiter Miro Gronau

Silver Star – Die zweithöchste Achterbahn in Europa

Airtimers: Zu guter letzt: Treibst du dich in Freizeitpark auch noch außerhalb der Arbeit herum?

Miro Gronau: „Ich bin mal gefragt worden ob ich in einer Fabrik Urlaub mache, da ich ja im Alltag immer diesen wunderbaren Park um mich herum habe. (lacht) Da ich im Grunde ja von Anfang an ein Freizeitparkfan war, gehe ich in meiner Freizeit immer noch gerne in Freizeitparks. Anders als zu Teenager-Zeiten ist es mir immer wichtiger dass die Parks sauber sind, gescheite Toiletten haben und tolle Restaurants. Früher ging es mir nur um die Achterbahnen. Mich macht es rasend, ineffektives Operations Personal zu beobachten, da fällt es mir doch manchmal schwer das Ganze aus purer Gast-Sicht zu sehen. Aber ich liebe Freizeitparks nach wie vor und grinse bei einer Fahrt auf meinen Lieblingsachterbahnen noch immer wie ein Kind.“

Airtimers: Wir danken Dir für das Gespräch Miro. Und wünschen
Dir auch weiterhin viel Erfolg und Spaß bei deiner Arbeit im größten Freizeitpark Deutschlands!

Dieser Artikel wurde zuerst in unserem RideOn! Magazin 01/2012 veröffentlicht

Pictures: Copyright Airtimers.com, Europa Park

Kommentare geschlossen.