Was fasziniert uns derart an Halloween?

Es ist kalt. Immer wieder weht der Wind über die menschenleere Straße. Er lässt die letzten Laubblätter zu dem irrwitzigen Spiel der Naturkräfte tanzen. Hinter den Gartentüren blicken einem dämonisch wirkende Fratzen an. Sie grinsen und lachen dabei. Doch diese ausgehölten Kürbisse sind bei Weitem nicht das Schlimmste was uns erwartet. Wir sind in Pensylvania, USA.

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Grusel der fasziniert – in den USA gibt es diesen Trend schon lange Zeit.

Wenn man eine Region als Epizentrum der Horrorevents bezeichnen kann, dann diese. Hier tummeln sich eng beieinander dutzende solcher privater und gewerblicher Veranstaltungen, wie man sie auch bei uns immer öfter findet. Das System dabei ist relativ simpel. Im Großen und Ganzen sind es Labyrinthe, in denen Schauspieler den Menschen Angst einjagen. Wo genau dieser merkwürdige Brauch herkommt, ist bis heute unbekannt, älteren Firmenkatalogen zufolge gab es solche Anlagen aber schon weit vor 1915.
Im Laufe der Zeit haben amerikanische Freizeitparks dieses System in das jährliche Programm aufgenommen und bieten den Nervenkitzel zum Verkauf an. Und das mit Erfolg, das Geschäft mit dem Horror boomt. Allein in den USA gibt es rund 200 solcher Veranstaltungen, auf die etwa 12 Millionen Besucher stoßen. Selbst europäische Parks haben diesen Trend erkannt und versuchen sich vermehrt am amerikanischen Vorbild. Doch was fasziniert die Leute eigentlich derart an Halloween?

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Dieses Haus schaut bereits am Tag nicht einladend aus

„Ich steh nicht auf Horror, ich mag noch nicht einmal Horrorfilme!“ erklärt Ted Sobek, ein privater Veranstalter aus Pennsylvania. Der Gründer des 1992 eröffneten Haunts im Hundred Acres Stadtpark in Pittsburgh hat lediglich den Trend erkannt und schon früh mit diesem Mittel Geld für die Wohlfahrt gesammelt.
„Alles freiwillige Schauspieler, die Spaß am Erschrecken haben und gleichzeitig bei einer guten Sache helfen wollen. Teilweise ganz normale Schulkinder, die an einem Abend geschlossen als Gruppe auftauchen, 45 Minuten eingewiesen werden und dann in der Maske verschwinden.“
Bei solchen Worten kann man dem Gründer des etwa 45 Minuten dauernden Horrorszenario, bei dem man sich durch dunkle, feuchte Gänge eines Anwesens zwängt und hautnah miterlebt, wie es in einem schäbig heruntergekommenen Zimmer zu spuken beginnt, kaum Glauben schenken. Stolz präsentiert er seinen Technik-Raum, in dem alles überwacht wird. Überall liegt Werkzeug, gestapelte CDs, Kabelrollen und offene Festplatten. „Es sieht zwar aus wie Schrott, aber hier trifft schlussendlich alles aufeinander. Es ist sozusagen das Herzstück des Manors.“ Die Wände sind rot gestrichen und der Putz fängt an abzubröckeln. Ein wahrlich passendes Herzstück.

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Heutiger Grusel, welcher vor einigen Jahren real war

Nicht unweit davon wollen wir der Faszination Horror etwas mehr auf den Zahn fühlen. Im Philadelphia ansässigen Eastern State Penitentiary findet man mit dem „Terror Behind the Walls“ ein Horrorevent „par excellence“. Das Staatsgefängnis im Zentrum der Stadt wurde 1991 von einer Investorengruppe aufgekauft, um es vor dem Abriss zu schützen. Seitdem veranstaltet die Investorengruppe jedes Jahr zu Halloween ein Horrorevent, mit dem sie die Sanierung finanzieren.
180 Schauspieler werden beschäftigt, von den Angestellten in der Maske und Kleiderausgabe ganz zu schweigen. Das bunte Treiben hinter den Kulissen gleicht fast einem riesigen Rockkonzert.
Vor den Türen scharen sich derweilen Massen. Manchmal muss man hier bis zu drei Stunden warten um einmal in die Kerker des Gefängnisses geworfen zu werden. Das Ausfüllen einer Verzichtserklärung ist dabei inbegriffen. Aus dem Gefängnis, in dem schon selbst Al Capone einsaß, hallen Angstschreie und Fluchwörter, während die Besucher knapp nach dem Ausgang in heiteres Lachen verfallen. Der modrige Schimmel der Decken gibt dem ganzen Ambiente den letzten Schliff, worauf der richtige Nervenkitzel überhaupt erst beginnt.

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Die ehemalige Zelle von Al Capone

Die beste Antwort auf unsere Frage lieferte aber Ernest Romegialli, eines der Urgesteine im Horrorbuissness und Leiter des „Haunted Graveyard“ in Lake Compounce. Vor über 20 jahren hatte er in einem kleinen Hinterhof seines Gartens angefangen Horrorhäuser aufzubauen, um seiner an Diabetes erkrankten Tochter von Süßigkeiten abzubringen. Als wir rückwärts die Kilometer lange Anlage des Perfektionisten abliefen, um jeden noch so kleinen Fehler zu finden, konfrontierten wir ihn mit der Frage. „Erschreckt zu werden ist wie eine Sucht. Es ist in uns drinnen. Wie beim Achterbahnfahren. Unser Körper hat uns gelehrt bei Notfallsituationen Endorphine auszuschütten. Die Leute, die schon einmal hier waren kommen noch einmal und erzählen es ihren Freunden. Es ist einfach purerer Spaß.“ Spaß der vor allem genial inszeniert wird. Viele der Anlagen haben Animatronics, Lichteffekte, Soundanlagen und interaktive Gimmicks, auf die selbst Hollywood neidisch wäre. Dabei reicht die Kreativität der Veranstalter bis ins Unermessliche und die Variation ist riesig.

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Oftmals reicht schon Dunkelheit, um Angst zu machen

Neben dem Standard, dem Haunted House, findet man Haunted Forests, Maisfelder, Hayrides (bei dem der Gast von einem Heuwagen durch die Szenarien gefahren wird) bis hin zu Mazes in reiner Dunkelheit. Halloween polarisiert und sorgt für Gesprächsstoff. Die Faszination an Horror ist aber im Grund genommen paradox. Das zeigt schon der Vergleich zu der typischen Haltung der Leute beim sehen von Horrorfilmen: Augen zu, aber dennoch durch die Finger an die Leinwand schielen. Wenn dann bei einem Halloweenevent Fiktion und Realität verschwimmen, steigert es das Empfinden um ein vielfaches. Es ist wohl ein Mix aus Thrill, Spaß und der Faszination an dem Bösen, was uns derart an Halloween begeistert!

Pictures: Copyright Airtimers.com

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