{"id":34627,"date":"2016-02-17T17:36:43","date_gmt":"2016-02-17T16:36:43","guid":{"rendered":"http:\/\/airtimers.com\/?p=34627"},"modified":"2016-02-17T20:25:30","modified_gmt":"2016-02-17T19:25:30","slug":"acht-regeln-fur-gute-warteschlangen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/airtimers.com\/en\/acht-regeln-fur-gute-warteschlangen\/0034627\/","title":{"rendered":"Acht Regeln f\u00fcr gute Warteschlangen"},"content":{"rendered":"<p>Jeder, der schon einmal einen Freizeitpark besucht hat, kennt dieses Gef\u00fchl: Schon seit einer gef\u00fchlten Ewigkeit steht man an, um eine im besten Fall tolle Attraktion zu erleben. Die Zeit siecht so vor sich hin; schreitet kaum voran &#8211; und zu allem \u00dcberfluss sind die Gespr\u00e4chsthemen der Ausflugsgruppe auch schon seit 20 Minuten aufgebraucht. &#8220;Wann sind wir endlich an der Reihe?&#8221; &#8211; diese Frage schie\u00dft einem durch den Kopf und der \u00c4rger dar\u00fcber, dass man seine teure Freizeitparkzeit ausgerechnet mit Warten und Anstehen verbringen muss, w\u00e4chst an. Da stellt sich doch die Frage: Wie k\u00f6nnte man das Warten in Freizeitparks ertr\u00e4glicher gestalten?\u00a0<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Eine m\u00f6gliche Antwort kommt aus der Psychologie, wo das Warten allgemein auch immer wieder Thema ist. Und so haben sich die Psychologen\u00a0Ledbetter, Mohamed-Ameen, Oglesby und Boyce in einem 2013 ver\u00f6ffentlichten Artikel tats\u00e4chlich auch mit der Frage der Warteschlangengestaltung in Freizeitparks besch\u00e4ftigt*.\u00a0Die theoretische Grundlage ihres Beitrags bilden der Unterschied zwischen erlebter und tats\u00e4chlicher Zeit sowie das Doppelaufgaben-Paradigma. Letzteres sagt im Bezug auf das Zeitempfinden aus: Wenn die Aufmerksamkeit vom Fortschreiten der Zeit auf eine andere Aufgabe abgelenkt wird, wird die Zeit k\u00fcrzer empfunden, als sie es in Wirklichkeit ist. Daraus und aus acht in den 1980er-Jahren aufgestellte Richtlinien f\u00fcr Wartebereiche leiten die Forscher eigene Regel f\u00fcr Wartebereiche in Freizeitparks ab!<\/p>\n<p><span style=\"color: #2970a6;\"><strong>Regel 1: Warteschlangen sollten die Zuwendung der G\u00e4ste f\u00f6rdern<\/strong><\/span><br \/>\nDas ist die wohl direkteste Umsetzung des Doppelaufgaben-Paradigmas: Geben wir dem Besucher eine Zweitaufgabe, dann wird er die Erstaufgabe, das Warten, ertr\u00e4glicher finden. Die Autoren stellen sich dabei vor, dass den Besuchern hierzu &#8220;Aktivit\u00e4ten, Spiele und interaktive Elementen&#8221; geboten werden, die die Aufmerksamkeit langfristig, auch bei mehrmaligen Besuchen auf sich ziehen k\u00f6nnen. Gelingt es eine Warteschlange nicht, diese Funktion zu erf\u00fcllen, kehrt Langeweile ein und das Vergehen der Zeit wird wieder sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p>Ein gutes Beispiel f\u00fcr die Umsetzung dieser Regel findet sich in der detail- und abwechslungsreich gestalteten Queue von <em>Harry Potter and \u00a0the Forbidden Journey<\/em>.<\/p>\n<p><center><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/U-4z2YXj8Bg\" height=\"267\" width=\"475\" allowfullscreen=\"\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/center>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #2970a6;\"><strong>Regel 2: Warteschlangen sollten das Interesse an der Attraktion aufrecht erhalten<\/strong><\/span><br \/>\nWie Ledbetter und seine Kollegen schreiben, k\u00f6nnen Warteschlangen das oben beschriebene Ma\u00df an Zuwendung jedoch nur generieren, wenn ein Interesse an dem dargestellten Thema \u00fcberhaupt gegeben ist &#8211; und das ist am wahrscheinlichsten gegeben, wenn die Warteschlange \u00e4hnlich gestaltet ist, wie die Attraktion, zu der sie f\u00fchrt. Mit anderen Worten: Wenn man im Europa-Park die Achterbahn <em>Silver Star <\/em>besuchen m\u00f6chte, kann man mit einer Warteschlange im Stile der Themenfahrt\u00a0<em>Piraten in Batavia<\/em> wenig anfangen. Und genauso so wenig nat\u00fcrlich mit einem kargen Stangengewirr. Vielmehr sollen Warteschlangen und die Attraktion eine Einheit bilden, bei der das Warten schon eine Vorstufe zur Fahrt oder Show ist.<\/p>\n<p><span style=\"color: #2970a6;\"><strong>Regel 3: Warteschlangen sollten positive Emotionen unterst\u00fctzen<\/strong><\/span><br \/>\nEmotionen haben einen direkten Einfluss auf das Zeitempfinden: Positive Emotionen lassen die Zeit demnach schneller verfliegen. Negative Emotionen f\u00fchren zum Gegenteil. So sollte beim Gestalten der Warteschlangen darauf geachtet werden, dass bestimmten &#8220;elementaren Erwartungen&#8221; entsprochen. Das betrifft etwa Licht, Sound und Design. So k\u00f6nnen negative Emotionen wie Frustration vermieden werden.<\/p>\n<p><span style=\"color: #2970a6;\"><strong>Regel 4: Warteschlangen sollten komfortabel sein<\/strong><\/span><br \/>\nAuch das ist eines der bekannteren Ph\u00e4nomene beim Warten in Freizeitparks: Es ist ohnehin schon sehr voll und eine lange Phase des Wartens steht an &#8211; und dann ist es auch noch br\u00fcllend hei\u00df, z.B. weil ein Sonnenschutz fehlt oder eine Klimatisierung. Oder die Luft ist abgestanden. Oder einem Raucher kann kaum ausgewichen werden. Die Stimmung geht dann runter und das hat wiederum Auswirkungen auf das Zeitempfinden:\u00a0Unkomfortables Warten f\u00fchrt gem\u00e4\u00df den Autoren zu Ersch\u00f6pfung und zu einem verl\u00e4ngerten Zeitempfinden, komfortables Warten zu einem verk\u00fcrzten Zeitempfinden. Als Gestalter einer Warteschlange sollte man also auch die physikalischen Begebenheiten einplanen und komfortabel halten &#8211; \u00fcber Klimaanlagen, Sonnenschutz, Wassersprenkler und Rauchverbote gibt es da so einige M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>In unserem Airtimers Queue Line Check zum Heide Park aus dem Jahr 2014 war die <em>Colossos<\/em>-Warteschlange ein Beispiel f\u00fcr einen unkomfortablen Wartebereich: Absch\u00fcssiges Gel\u00e4nde und kein Sonnenschutz.<\/p>\n<div style=\"width: 485px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"  colorbox-34627\" alt=\"\" src=\"http:\/\/i1.wp.com\/airtimers.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/11.jpg?zoom=1.5&amp;resize=475%2C285\" width=\"475\" height=\"285\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Warteschlange bei Colossos im Heide Park.<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #2970a6;\"><strong>Regel 5: Verschiedene Warteschlangen voreinander verbergen<\/strong><\/span><br \/>\nAls Tunneleffekt kennt man dieses Ph\u00e4nomen auch in der Soziologie: Man stelle sich einen Stau in einem zweispurigen Tunnel vor, man selbst steht auf der linken Seite, nichts geht vor und zur\u00fcck und man ist frustriert. Dann beginnt sich die rechte Spur zu bewegen. Zwar steigt dadurch zun\u00e4chst die Stimmung &#8211; denn immerhin liegt die Erwartung nahe, dass sich auch die linke Spur bald bewegen k\u00f6nnte &#8211; doch tut sie das nicht, werden die Erwartungen entt\u00e4uscht und die Stimmung ist sogar noch schlechter, denn hinzu kommt ein Neid auf die Fahrer der rechten Spur. Was in der Soziologie dann letztlich auf soziale Statusver\u00e4nderungen projiziert wird, k\u00f6nnte in der Ursprungsversion auch Warteschlangeneffekt genannt werden. Denn gibt es zwei separate Warteschlangen &#8211; etwa eine Quick-Pass-Warteschlange und eine normale Warteschlange (oder auch einfach nur zwei parallele, eigentlich gleichwertige Reihen) besteht die Gefahr, dass es in einer Reihe schneller voran geht als in der anderen. Das nun entstehende Gef\u00fchl der sozialen Ungleichheit soll laut den Autoren vermieden werden, da es zu Ungeduld f\u00fchrt und die Aufmerksamkeit wieder dem Verstreichen der Zeit zuwendet.<\/p>\n<p>Die L\u00f6sung: Die Warteschlangen einfach baulich voreinander verbergen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #2970a6;\"><strong>Regel 6: Warteschlangen sollten zwischenmenschliche Interaktion erleichtern<\/strong><\/span><br \/>\nAlleine Warten macht keinen Spa\u00df: Denn allein Wartende empfinden die Zeit als l\u00e4nger, als es in einer Gruppe Wartende tun. Offenbar l\u00e4sst die Kommunikation zwischen den Gruppenteilnehmern die Wartezeit gef\u00fchlt verk\u00fcrzen &#8211; also, sollte man diese Kommunikation auch erm\u00f6glichen. Die Autoren empfehlen, die Warteschlangen breit genug daf\u00fcr zu gestalten, dass die Anstehenden nebeneinander stehen k\u00f6nnen, aber auch nicht so breit, dass man sich leicht vordr\u00e4ngeln kann. Eine andere M\u00f6glichkeit: Zick-Zack-Anstellreihen, die immer wieder den Kontakt von Gruppenmitgliedern erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #2970a6;\"><strong>Regel 7: G\u00e4ste sollten \u00fcber die Wartedauer informiert sein<\/strong><\/span><br \/>\nIn dem meisten gr\u00f6\u00dferen europ\u00e4ischen und internationalen Freizeitpark ist es schon l\u00e4nger Usus, die Besucher vor dem Eintritt in die Warteschlange per digitaler oder analoger Anzeige \u00fcber die voraussichtliche Wartezeit zu informieren. Oft wird dabei sogar eine l\u00e4ngere Zeit angegeben, als eigentlich kalkuliert, was aber gut ist, da so die gef\u00fchlte Zeit abnimmt. Es sollte, so die Autoren, immer vermieden werden, dass die Besucher l\u00e4nger warten, als angegeben. Dank immer wieder auftretender technischer Defekte, die die Wartzeit verl\u00e4ngern, scheint das aber kaum m\u00f6glich, denn die urspr\u00fcngliche Angabe verlieren in solchen F\u00e4llen ihre G\u00fcltigkeit. Daher, so der Vorschlag der Autoren, sollte den Besuchern auch w\u00e4hrend des Wartens immer aktuell die noch ausstehende Wartezeit mitgeteilt werden. Technisch m\u00f6glich w\u00e4re das dank moderner Systeme mittlerweile**.<\/p>\n<div style=\"width: 485px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img class=\"colorbox-34627\"  loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/i2.wp.com\/airtimers.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/001.jpg?zoom=1.5&amp;resize=475%2C285\" width=\"475\" height=\"285\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Digitale Warteanzeigen sind mittlerweile zumindest in den meisten gro\u00dfen europ\u00e4ischen Freizeitparks Standard &#8211; hier zu sehen bei Arthur im Europa-Park.<\/p><\/div>\n<p><span style=\"color: #2970a6;\"><strong>Regel 8: Warteschlangen sollten ein Gef\u00fchl stetigen N\u00e4herkommens zur Attraktion vermitteln<\/strong><\/span><br \/>\nNiemand hat gerne das Gef\u00fchl, auf der Stelle zu treten und nicht vorw\u00e4rts zu kommen und so sollten auch Warteschlangen in Freizeitparks einen gef\u00fchlten Fortschritt beinhalten. Das kann prinzipiell auf verschiedene Weisen erreicht werden. Zum einen &#8211; rein physikalisch &#8211; durch ein nicht zu niedriges Schritttempo, aber auch durch die Umgebung kann ein solcher gef\u00fchlter Fortschritt erreicht werden: Die Empfehlung der Autoren ist, verschieden thematisierte Bereiche aufzubauen und so Abwechslung zu generieren. Ein Fortschritt wird so besser erlebbar &#8211; und die Zeit geht schneller vorbei.<\/p>\n<p><strong>Fazit: Alle Regeln der Autoren im gleichen Ma\u00dfe umzusetzen, ist sicherlich aufwendig und schwierig, zumal sich einige von ihnen auch widersprechen. Trotzdem werden einige interessante M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Warteschlangengestaltung aufgezeigt, die teilweise schon Anwendung finden, aber nat\u00fcrlich auch oftmals nicht.<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Im Jahr 2014 haben wir uns im Rahmen unseres Airtimers Queue Line Check schon einmal mit Warteschlangen in europ\u00e4ischen Freizeitparks auseinander gesetzt. Das waren die damaligen Checks:\u00a0<a href=\"https:\/\/airtimers.com\/airtimers-queue-line-check-heide-park-resort\/0025016\/\" target=\"_blank\">Heide Park Resort<\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/airtimers.com\/queue-check-phantasialand\/0025022\/\" target=\"_blank\">Phantasialand<\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/airtimers.com\/queue-check-europa-park\/0025021\/\" target=\"_blank\">\u00a0Europa-Park Rust<\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/airtimers.com\/queue-line-check-holiday-park\/0025024\/\" target=\"_blank\">Holiday Park<\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/airtimers.com\/airtimers-queue-line-check-efteling\/0025600\/\" target=\"_blank\">Efteling<\/a>\u00a0und\u00a0<a href=\"https:\/\/airtimers.com\/queue-check-movie-park\/0025019\/\" target=\"_blank\">\u00a0<\/a><a href=\"https:\/\/airtimers.com\/queue-check-movie-park\/0025019\/\" target=\"_blank\">Movie Park Germany<\/a>.<\/p>\n<p>* der Artikel tr\u00e4gt den Titel\u00a0<em>\u201cYour Wait Time From This Point Will be . . . : Practices for Designing Amusement Park Queues\u201d<\/em>\u00a0und wurde von Jonathan L. Ledbetter, Amira Mohamed-Ameen, James M. Oglesby und Michael W. Boyce verfasst. Die in der Zeitschrift ergonomics in design im April 2013 erschiende Arbeit kann\u00a0<a title=\"Externer Link\" href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/258136392_Your_Wait_Time_From_This_Point_Will_Be_Practices_for_Designing_Amusement_Park_Queues\" rel=\"nofollow external\">hier<\/a>\u00a0kostenlos als PDF heruntergeladen werden.<\/p>\n<p>** In einer fr\u00fcheren Version dieses Artikels hie\u00df es, dass es ein solches System noch nicht gebe &#8211; ein Irrtum. Vielen Dank an den Hinweisgeber!<\/p>\n<p>Pictures: Copyright Airtimers (1), Miro Gronau (2, Titelbild)<\/p>\n<fb:like href='https:\/\/airtimers.com\/en\/acht-regeln-fur-gute-warteschlangen\/0034627\/' send='false' layout='standard' show_faces='true' width='450' height='65' action='like' colorscheme='light' font='lucida grande'><\/fb:like>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder, der schon einmal einen Freizeitpark besucht hat, kennt dieses Gef\u00fchl: Schon seit einer gef\u00fchlten Ewigkeit steht man an, um eine im besten Fall tolle Attraktion zu erleben. 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