Tibidabo – ein Freizeitparkidyll mit Geschichte

Wenn man an Barcelona denkt, fallen dem Pauschaltouristen am ehesten Sonne, Strand und Stadt ein. Im Sommer oft über 40 Grad Celsius warm, am rauschenden Mittelmeer gelegen, ist die Großstadt mit 1,5 Millionen Einwohnern und einer einmaligen Mischung aus alter und moderner Architektur eines der beliebtesten Kurzreiseziele – egal ob im Sommer oder Winter. Der Achterbahnliebhaber denkt dabei aber eher an das nahgelegene PortAventura (Link). Doch der geübte Freizeitpark-Enthusiast muss die Stadt gar nicht verlassen, um ein weltweit einzigartiges Freizeitidyll zu entdecken.

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Willkommen auf dem Dach von Barcelona

Hoch oben, über 500 Meter über dem in Sicht liegenden Meeresspiegel, finden wir einen der ältesten Freizeitparks der Welt: Tibidabo. Doch bevor man die Aussicht aus den Attraktionen genießen kann, muss man den Tibidabo bezwingen. Verwundert? Tibidabo heißt ist eigentlich der „Hausberg“ von Barcelona, auf dem sich das Freizeitgelände erstreckt. Und der Park eigentlich Parc d’atraccions Tibidabo. Wenn wir einmal bei der Namenkunde sind: Woher kommt eigentlich der Name? Dafür schlagen wir in der Bibel nach und bei der versuchten Verführung Jesu durch den Teufel wird „tibi dabo“ lateinisch mit „will ich dir geben“ übersetzt, als die beiden auf einem hohen Berg stehen. Doch soll es uns weniger um den Berg gehen, als um den bereits 1901 eröffneten Vergnügungspark Tibidabo.

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Der halbe Weg ist geschafft: Die “Tal”-Station der Bergbahn

Wollen wir uns also aufmachen: 500 Meter Höhendifferenz werden ganz leicht erklommen durch Straßen- und Bergbahn. Die berühmte „Blaue“ Straßenbahn bringt einen von den letzten Stadtausläufern mit der U-Bahn-Endstation der Linie 7 zur „Tal“-Station der Bergbahn. Hier kann man Fahrkarte und Wrist-Band für den Park im Kombi-Ticket erwerben und spart einige Euro. Wenn man in der Bergstation ankommt, steht man direkt auf dem beginnenden Skywalk und wird von blauem Stahl begrüßt. Die skurrilste Aussichtsfahrt weltweit lädt ein: Talaia ist 94 Jahre alt und hat nichts von ihrem Reiz verloren. Schauen wir uns diese Attraktion als Beispiel für das Besondere in Tibidabo einmal genauer an. Zwei Stahlkörbe für bis zu zehn Personen an einer denkbar einfachen Stahlkonstruktion von 25 Metern. Bei der Umrundung erreicht man also 50 Meter über dem Skywalk und befindet sich 551 Meter über Barcelona. 1921 eröffnet schrieb man der Attraktion eine heilende Wirkung zu. Kinder mit Husten sollten durch die klare Luft geheilt werden. Noch heute kann man an klaren Tagen bis zu den Balearen blicken. Freuen wir uns auf den 100. Geburtstag des „Wachturms” in sechs Jahren – so seine deutsche Übersetzung.

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Mit Höhenangst ungeeignet: Talaia

Auf dem Skywalk befinden sich aber noch weitere, vor allem historische, Attraktionen. Dies ist übrigens Ebene bzw. Level 6. Mit den fünf weiteren darunter spürt man einen langen Tag im Park vor allem in den Beinen am Abend. Hier, auf der obersten Ebene, wurde der ursprüngliche Park auch gegründet. Für Verwunderung sorgte 1910 zum Beispiel das erste elektrische Pferdekarussell, welches allerdings 1989 durch ein neues ersetzt wurde. Ebenfalls zu dieser Ebene gehört die Bergkuppe samt Historienfilm und Kinderfahrgeschäften. Eine Ebene darunter verbirgt sich der Schatz von Tibidabo, das Automaten-Museum. Über 50 Exponate, teilweise aus dem 19. Jahrhundert, von denen ein Großteil noch funktioniert und seine Geheimnisse für die Besucher auf Knopfdruck präsentiert. Wenn man auf diese Ebene möchte, muss man den Parkeintritt bezahlen. Der Skywalk ist für jeden Besucher geöffnet und die Attraktionen dort können per Einzelticket besucht werden. Die unteren Ebenen allerdings verpflichten zum Kauf des All-inklusive-Tickets.

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Die Ebenen 2 bis 5 befinden sich unter dem Skywalk und beinhalten nur wenige Attraktionen, vor allem da Ebene 3 eine reine Serviceetage ist. Wichtige Ziele in den anderen sind dabei das 4D-Kino, der Zugang zur Schwebebahn Magatzem mit ihren einmaligen Dark-Ride-Teilen und das Hotel Krüger (wenn in den meisten Parks nur zu Halloween erschreckt wird und das einem zu wenig ist, dann muss man nach Barcelona und einen Gang durch das Hotel Krüger machen, denn hier verbirgt sich eine der weltweit besten Scare-Mazes in durchgängig guter Qualität, welches man auch nur einmal pro Tagesbesuch betreten darf). Inzwischen wichtigster Parkteil ist die Ebene 1, welche auch den größten Anteil an den sieben Hektar Parkfläche ausmacht. Hier finden wir neben Schiffschaukel, Fun-House, Wildwasserbahn und weiteren Kinderattraktionen, die beiden Achterbahnen des Parks. Tibidabo Express ist ein Powerd-Coaster durch den untersten Parkteil mit einmaligen Streckenverlauf. Muntanya russa (span. für Achterbahn) eröffnete Ende 2008 und ersetzte den Wegfall der alten Wildcat-Achterbahn, die Anfang 2009 nach fast 50 Jahren Betriebszeit auf Ebene 5 ihre letzte Runde drehte. Mit einigen Kirmesattraktionen schließt auch dieser Parkteil. Neu hinzugekommen ist dieses Jahr eine Kinderfahrschule.

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Natürlich hat der Park auch Schattenseiten erlebt. Neben den beiden Weltkriegen blieb Tibidabo auch nicht von Unfällen und finanziellen Problemen verschont, sodass der Park zum Beispiel 2000 von der Stadt übernommen wurde, nachdem er sich stark verschuldet hatte. Dank Sparmaßnahmen und Preisanpassungen konnte in den letzten Jahren wieder eine positive Bilanz erreicht werden. Ein weiterer Schicksalsschlag war ein tödlicher Unfall im Jahr 2010, als ein modernes Fahrgeschäft leider einstürzte, nachdem das Fundament gebrochen war. Doch sprechen wir nicht weiter über die vergangenen Seiten, sondern verlieren noch ein Wort zu den anderen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten auf dem Tibidabo. Am sichtbarsten ist dabei wohl die Kirche Temple Expiatori del Sagrat Cor, welche nach Vorbild der eher bekannten Sacré-Cœur de Montmartre in Paris erbaut wurde. „Höhepunkt“ dagegen ist der Collserola Communications Tower oder Torre de Collserola, ein von Norman Forster im Rahmen der Olympischen Spiele 1992 entworfener Fernsehturm mit Aussichtsplattform in 135 Metern Höhe. Weiteres Highlight für Sternenfreunde ist das Observatori Fabra, ein bereits 1904 eröffnetes Observatorium. Die Reihe von Attraktionen auf dem Tibidabo schließt nun der Can Borni Park ab, ein Park und Gewächshaus welcher für die Weltausstellung 1929 angelegt wurde und noch immer gepflegt wird und kostenlos besucht werden kann.

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Temple Expiatori del Sagrat Cor mit regen Treiben – gesehen aus Talaia

Egal ob Tibidabo oder Tibidabo, sowohl Berg als auch Freizeitpark, sind eine Bereicherung der heimlichen Hauptstadt Spaniens. Barcelona feiert und pflegt seinen Park und dessen Historie. Die Eintrittspreise erscheinen leicht überteuert – wenn man aber das Gesamtpaket, welches einem geboten wird nutzt und schätzt, kann man einen fast preiswerten Tag in 500 Metern Höhe erleben, welcher einem für lange Zeit unvergessen bleiben wird und bei heimigen Dia-Abenden für das ein oder andere „Ah!“ und „Oh!“ sorgen wird. Mit diesem Artikel konnten wir leider nur einen kleinen Blick auf einen besonderen Platz der Freizeitparkwelt werfen. Tibidabo – auf weitere 114 Jahre!

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Wiederkommen lohnt sich – auch wenn Neuheiten nur selten Einzug in den Park finden

Fotos © Eric Christopher Straube für Airtimers.com

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