Universal Studios Krefeld – ein gescheiterter Millionentraum

Das Auftreten Disneys auf der Bühne der europäischen Freizeitparks im Jahr 1992 war eine große Zäsur, aber auch ein Weckruf für die bis dahin dominierenden Parks – viele Entwicklungen wurden erst angestoßen, als der amerikanische Gigant seinen großen Auftritt hatte. Mit den ersten Hotels (z.B. im Europa-Park) begann die Entwicklung der modernen Resorts in Europa. Und nicht zuletzt schlossen sich einige der bedeutendsten Parks aus diesem Anlass zusammen und vernetzen sich gewissermaßen „gegen“ Disney, ohne dass man freilich von offener Antipathie schreiben könnte. Im Grunde waren ihre Bemühungen erfolgreich – denn auch wenn das Disneyland von Anfang an eine Vormachtstellung in Europa hatte und diese über die Jahre hinweg auch verteidigen konnte, verloren die alt-europäischen Parks den Anschluss nie. In den letzten Jahren sah es sogar so aus, als dass die „alteingesessenen“ Parks wieder Boden auf Disney gut machen können.

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Den Hollywood-Flair (wie hier in den kalifornischen Original-Studios) zum Niederrhein hätten die Universal Studios Krefeld gebracht.

Vor mittlerweile etwas mehr als zehn Jahren, in den ersten 2000er-Jahren, sah es ganz so aus, als müssten sich die europäischen Parks erneut einer großen Herausforderung stellen: Denn im niederrheinischen, eher strukturschwachen Krefeld, am Rande einer der bevölkerungsreichsten Regionen ganz Europas, plante Universal – der große Konkurrenz Disneys – seine Antwort auf das Disneyland. Im Gegensatz zum spanischen PortAventura, das von 1999 mit 2005 mit einem Universal im Parknamen nur umgelabelt wurde, sollte dieses Projekt, das den Namen Universal Studios Germany trug, viel mehr mit den Universal-Parks in Übersee gemein haben. Verheißungsvoll heißt es im Antrag der Stadt Krefeld auf Änderung des Gebietsentwicklungsplans: „Mit dem Themenpark wird ein Park entstehen, der mit den bisherigen Freizeitparks in Deutschland und Europa (Ausnahme: Disney Paris) nicht vergleichbar ist, sondern absolut neue Maßstäbe in Design und Technologie setzt.“.

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ThyssenKrupp gehörte das Gelände, auf dem die Universal Studios Krefeld entstehen sollten.

Seinen Anfang nahm alle Planungen bei Thyssen Krupp, dem großen Ruhrgebiets-Stahlkonzern, der erst 1999 durch die Fusion von Thyssen und Krupp, zweier älterer Konzerne entstanden war. Thyssen Krupp besaß zu diesem Zeitpunkt in ganz Deutschland 3.500 Hektar Land, das es nicht für seine eigene Produktion benötigte, darunter auch die Fläche im südlichen Krefeld. Was also damit tun? Nachdem in Absprache mit der Stadt Krefeld die Nutzung für eine Freizeiteinrichtung feststand, war es wohl ThyssenKrupp, das den Kontakt mit Universal aufnahm.

Universal, das damals im Besitz des französischen Medienkonzern Vivendi war, gab eine positive Rückmeldung und war entschlossen, die Krefelder Fläche für seinen nächsten Studio-Freizeitpark zu nutzen. Der eigentliche Park sollte dabei 29,1 von insgesamt 88 Hektar der zur Verfügung stellenden Fläche ausmachen. Neben dem Themenpark sollten auch ein Wasserpark, Hotels, eine Entertainment-Zone à la „City Walk“ und Parkhäuser für 9.000 Stellplätze gebaut werden – unter dem Oberbegriff „Internationales Freizeit- und Entertainment Center“ (IEC).

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Ein City Walk, wie in Universal Orlando, wäre in Krefeld auch entstanden.

850 Millionen Euro betrug das Investitionsvolumen und 3500 Vollzeitarbeitsplätze sowie dieselbe Anzahl indirekter Vollzeitarbeitsplätze sollten geschaffen werden – und doch wurde aus diesem für deutsche und europäische Maßstäbe gigantischen Projekt nichts. Man könnte sich in diesem Zusammenhang gut vorstellen, dass der Widerstand in der lokalen Bevölkerung und Politik zu groß gewesen ist und das IEC aus diesem Grund scheiterte. Und gar keine Frage: Zweifel und Bedenken waren, wie bei fast allen Großprojekten, spürbar – auch etwa durch Lokalpolitiker, die befürchteten, die Innenstadt könne durch das außerhalb gelegene IEC ausbluten.

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In den Medien wurde der Park – etwas verzerrt “Dino-Park” genannt – womit wohl auf das Jurassic-Park-Label verwiesen wurde.

Doch der eigentliche Grund lag bei Universal selbst: Der Konzern war just in der Phase, in der es um die Umsetzung der Pläne ging, in enormen Umstrukturierungen verwickelt: Das Engagement des französischen Vivendi-Konzerns stand vor dem Ende, an seine Stelle sollte der amerikanische TV-Sender NBC treten. In dieser ungewissen Zeit war Universal nicht dazu in der Lage, entsprechende Verträge zu unterzeichnen. Im Jahr 2003 wartete die Stadt Krefeld lange auf eine Bestätigung von Universal, doch die blieb aus. Das bedeutete das Ende der Planungen, denn ohne Universal waren auch die restlichen Bestandteile des Centers kaum überlebensfähig. Während Universal seit dieser Zeit keinen neuen Anlauf für einen Freizeitpark in Europa genommen hat – und sich stattdessen Paramount in London etablieren will – wurde die alte Thyssen-Krupp-Fläche schließlich für ein neues Industriegebiet genutzt. Übrigens wird ganz in der Nähe, im benachbarten Mönchengladbach, gerade am nächsten gigantischen Freizeitcentrum gebastelt. Über 1,5 Milliarden Euro wollen dort Investoren aus Dubai in das Entertainment-Angebot Four Seasons stecken, das dort entsteht, wo bis 2013 noch britische Truppen im damaligen Joint Headquarters stationiert waren. Ob auch dort ein klassischer Themenpark dazugehören wird ist genauso ungewiss wie das Projekt ansich – denn auch hier ist die endgültige Entscheidung noch nicht gefallen.

Bilder: Copyright BrokenSphere /Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0),  Dortmund2008 (CC BY-SA 3.0), Crapuipui (CC BY-SA 4.0), Benjamin Dumas (CC BY-NC-SA 2.0)

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